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62. Meisterfeier: Zahl der Meisterprüfungen steigt wieder

39a/2011 vom 19. Mai 2011

62. Meisterfeier am Sonntag in Düsseldorf - Renaissance des Meisterbriefs: Zahl der Meisterprüfungen steigt wieder. Vor allem Handwerkerinnen begeistern sich immer stärker für die Aufstiegsfortbildung.

Die Meisterprüfung findet unter jungen Handwerkern wieder mehr Zuspruch. An der Düsseldorfer Meisterschule, der größten in der Republik, haben im vergangenen Jahr 1619 Jung­hand­wer­ker­in­nen und –hand­werker die vier Mo­dule der Meister­fort­bil­dung (Fach­theo­rie und –pra­xis, Berufs­pä­da­go­gik und Be­triebs­wirt­schaft) in An­griff ge­nom­men – 412 mehr als im Jahr davor. Das war die zweit­größte Schar an Meister­an­wär­tern in fünf­zehn Jah­ren. 1033 Prü­fungs­teil­neh­mer wa­ren unterm Strich erfolgreich. Sie werden am kommenden Sonntag in der Düsseldorfer Stadthalle die begehrten Meister­ur­kun­den aus­ge­hän­digt er­hal­ten. Fes­tli­cher Rah­men ist die größ­te hand­werks­po­li­ti­sche Kund­ge­bung der Re­pu­blik: die Düsseldorfer Meisterfeier. Sie findet zum 62. Mal statt. Fest­redner vor 2500 Teil­neh­mern wird Landes­arbeits- und Sozial­­­minister Guntram Schneider sein.

Die Ab­sol­ven­ten­zah­len be­we­gen sich da­mit auf dem gu­ten Niveau des Vor­jahres (1042). „Der Ab­wärts­trend gegen En­de des letzten Jahr­zehnts ist über­wun­den. Der Karriere-Königs­weg im Hand­werk strahlt neue Attrak­ti­vi­tät aus,“ freu­te sich Kam­mer­prä­si­dent Prof. Wolfgang Schulhoff am Donners­tag auf einer Presse­kon­fe­renz der Kam­mer in der Landes­haupt­stadt über die Re­nais­sance der Meister­qua­li­fi­ka­tion. Und auch die heraus­ra­gen­de Gel­tung der Meister­fort­bil­dung als „Unter­neh­mer­schule der Nation“ wird durch die neuesten Zahlen erneut untermauert: annähernd jeder zweite Jung­meister plant nach ei­ge­nen An­ga­ben die Unter­neh­mens­grün­dung oder -über­nah­me oder hat diesen Schritt be­reits voll­zo­gen, so das Er­geb­nis einer flä­­chen­­decken­den Be­fra­gung aller Meister­ab­sol­ven­ten im Kam­mer- bzw. Regie­rungs­be­zirk Düsseldorf.

Für die Hausse an der größ­ten deutschen Meister­schule sor­gen vor allem die karriere­be­wussten Frau­en in der Bran­chen­grup­pe der Ge­sund­heits­hand­werke: Weib­lich do­mi­niert wa­ren die Meister­kurse etwa im Augenoptiker- und im Fri­seur­hand­werk. Alle Meister­be­ru­fe zu­sam­men­ge­nom­men be­stan­den 278 As­pi­ran­tin­nen die Prü­fung. Der weib­li­che An­teil an den Ab­sol­ven­ten kletter­te auf 27 Pro­zent. Im Jahr 2005 hatte die Frau­en­quo­te noch 19 Pro­zent be­tragen. Nicht über­ra­schend, dass die Meister­klassen im Bran­chen­clus­ter Ge­sund­heit und Beauty einen re­gel­rech­ten Run ver­zeich­ne­ten. Die ins­ge­samt 323 Meister­ab­sol­ven­ten in den hand­werk­li­chen Ge­sund­heits­be­ru­fen – da­run­ter alleine 239 Nach­wuchs-Coiffeure mit Meister­brief – mar­kie­ren einen neu­en Höchst­stand. „Die Po­pu­la­ri­tät be­son­ders die­ses Kreativ-Hand­werks hat in den letzten zehn Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich zu­ge­nom­men,“ er­läu­ter­te der Kam­mer­prä­si­dent.

Be­son­ders ho­he Teil­neh­mer­zah­len re­gistrierte die Kam­mer je­doch auch in den gro­ßen tech­ni­schen Meister­be­ru­fen im Bau- und Aus­bau­hand­werk (231) so­wie in der Bran­chen­gruppe Elek­tro und Me­tall. 470 mal Meister­nach­wuchs ha­ben in die­sem Jahr die Metall- und Elektro­hand­werke aus Düsseldorf er­hal­ten – der zweit­beste Wert (Vor­jahr 497) seit 20 Jah­ren. „Die ver­besser­te Bau­kon­junk­tur, die wie­der ge­stie­ge­ne Be­deu­tung der ener­ge­ti­schen Ge­bäu­de­sa­nie­rung und an­zie­hende neue Markt­fel­der wie die E-Mobility schlagen auf den Bedarf an gut ausgebildeten Fach- und Füh­rungs­kräf­ten auf Meister­niveau durch“, wer­te­te Schulhoff den Trend.

In ins­gesamt 34 Hand­werks­be­ru­fen leg­ten die Meister­schü­ler Prü­fun­gen ab. Er­neut be­son­ders we­ni­ge – 44 (Vor­jahr 30) Hand­werker­in­nen und Hand­werker – er­war­ben den Meister­titel in den seit 2004 zu­las­sungs­frei­en Be­rufen. „Da­mit die Qua­li­fi­zie­rungs­ket­te Lehr­ling - Meister - Aus­­bil­der in Be­ru­fen wie dem Flie­sen­le­ger­hand­werk, Raum­aus­stat­ter, Schnei­der- und Gold­schmie­de­hand­werk nicht reißt, muss es auch in die­sen Hand­wer­ken wie­der eine Qua­li­fi­zie­rungs­pflicht ge­ben,“ mahnte Schulhoff an die Adres­se der Bundes­politik.

Sie­ben Pro­zent der Jung­meiste­rin­nen und Jung­meis­ter sind aus­län­di­scher Her­kunft. Sie kom­men aus 19 Län­dern. Da­run­ter der US-Ameri­ka­ner Jeremy Fisher, der in Düsseldorf den Meister­titel im Tischler­hand­werk er­warb, und die in Krefeld le­ben­de Peruanerin Yajaida Sofia Rütten, die die Prü­fung zur Maß­schneider­meisterin be­stand. Schulhoff: „Der deutsche Meister­titel ist in im­mer stär­ke­rem Maß ein inter­na­tio­nal be­gehr­tes Label.“

Die meis­ten Jung­meis­ter sind im Rhein-Kreis Neuss zu­hause (90), ge­folgt von der Landeshauptstadt (82), den Kreisen Mettmann (75) und Viersen (73), den Städten Essen (66) und Wuppertal (59) so­wie den Kreisen Kleve (59) und Wesel (57). Den stärksten An­stieg an Neu-Meistern ver­zeich­ne­te Wuppertal mit acht Jung­meistern mehr als noch im Jahr zu­vor. Der jüngste er­folg­reiche Prüf­ling war Fri­seur­meis­te­rin Priscilla Klapper aus dem hessi­schen Stahlhofen, die als 19-Jäh­ri­ge be­reits ihre Meister­fer­tig­keit nach­weisen konnte. Der älteste „Jung“meister ist Metall­bau­er­meister Hans-Dieter Bergenthun. Der 52-jährige Duisburger hatte 35 Jahre nach der Ge­sel­len­prü­fung die Ent­schei­dung ge­trof­fen, durch den Er­werb der Meister­qua­li­fi­ka­tion eine hö­here Po­si­tion in seinem an­ge­stammten Unter­neh­men an­zu­pei­len.

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online seit 03. Jun 2011, aktualisiert am 01. Aug 2011

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