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    Nordrhein-Westfälischer Handwerkstag

    Das nordrhein-westfälische Handwerk an der Jahreswende 2009/2010

    Die wirtschaftliche Situation des nordrhein-westfälischen Handwerks hat sich im Verlauf des vergangenen Jahres insgesamt deutlich verbessert. Nach einem Tiefstand des Konjunkturindexes für das gesamte Handwerk im Frühjahr des Jahres 2009 von 63 Punkten hatte sicher dieser Index im Herbst wieder um zehn Punkte auf 73 Punkte erhöht. Damit erwies sich das Handwerk in einem insgesamt schwierigen wirtschaftlichen Umfeld als tendenziell stabilisierender Faktor.

    Dies bestätigt auch die vierteljährliche Handwerksberichterstattung. Während noch zu Beginn des Jahres 2009 - verstärkt wohl auch durch eine Umstellung der Berechnungsmethode - ein deutliches Umsatzminus gegenüber dem Vorjahr angezeigt wurde, hat sich der Umsatz gemäß den Daten der öffentlichen Statistik erholt und erreicht für das gesamte Handwerk im dritten Quartal wieder das durchschnittliche Niveau des Jahres 2007 (99,5 Punkte). Der Umsatzanstieg in NRW fiel vom zweiten zum dritten Quartal 2009 mit 1,7 Prozent im NRW-Handwerk höher als in der Gesamtwirtschaft auf Bundesebene (plus 0,7 Prozent) aus.

    Dabei sind erhebliche Unterschiede zwischen verschiedenen Bereichen des Handwerks zu beobachten. Das Kfz-Handwerk verzeichnete einen Geschäftsklimaindex, der mit 59 Punkten gegenüber dem Frühjahr praktisch unverändert niedrig geblieben ist. Die Abwrackprämie hat möglicherweise in einer Reihe von Kfz-Betrieben zeitlich befristet stabilisierend gewirkt, kann aber auch in den Erwartungen der Unternehmen die schwierige Lage dieser Betriebe nicht nachhaltig verbessern. Tatsächlich bestätigen die vierteljährlichen Umsatzzahlen eine Erholung im Sommer und bereits wieder einen überdurchschnittlichen Einbruch im dritten Quartal. Das gibt wenig Anlass zu der Hoffnung, dass hier bereits eine Beruhigung eingetreten sei.

    Auch wenn in dem Geschäftsklimaindex des Handwerks für den gewerblichen Bedarf (Zulieferhandwerk) im Herbst bereits eine gewisse Erholung zu erkennen war (im Herbst 68 Punkte), ist die Umsatzentwicklung in diesem von industriellen Abnehmern und vom Export abhängigen Unternehmen ausgesprochen ernüchternd: 20 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr. Und bei einem unveränderten Niveau von 89 Punkten ist gegenüber 2007 deutlich eine Abnahme der Umsatzentwicklung zu erkennen.

    Diese beiden Bereiche weichen deutlich von anderen ab, die sich auch in der Krise gut behauptet haben. Das betrifft das Lebensmittelhandwerk, das Gesundheitshandwerk, das Handwerk für den privaten Verbrauch mit weitgehend leicht steigenden Umsätzen im Jahresverlauf. Das betrifft aber auch gerade das Bauhauptgewerbe und das Ausbaugewerbe mit nennenswerten Umsatzzuwächsen im Verlauf des Jahres 2009 nach einem kräftigen Einbruch um die Jahreswende 2008/2009.

    Diesen Befund erhärten die Ergebnisse der Konjunkturumfrage der Handwerkskammern im Herbst 2009: Der Geschäftsklimaindex im Bauhandwerk lag mit 72 Punkten im Durchschnitt des Gesamthandwerks, im Ausbauhandwerk lag der Wert mit 78 Punkten sogar fünf Punkte über dem Durchschnitt.

    Investitionen in die energetische Gebäudesanierung (und die entsprechende finanzielle Begleitung vor allem durch die zinsgünstigen Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau) oder auch das Konjunkturpaket II zur Mobilisierung von Investitionen in den Kommunen haben die Bau- und Ausbaubranche in Nordrhein-Westfalen spürbar stabilisiert. Die Handwerksbetriebe haben zudem von einer überraschend stabilen privaten Nachfrage in den handwerksrelevanten Käuferschichten profitiert.

    Das Bild im Handwerk ist somit gespalten: Einerseits der kräftige Einbruch in den zumeist größeren Handwerksbetrieben, die von industriellen Abnehmern abhängig sind und anderseits große Bereiche des Handwerks, die dank einer stabilen privaten Nachfrage und der öffentlichen Maßnahmen zur Stabilisierung der Konjunktur Umsatz und Beschäftigung zumindest stabil halten konnten.

    Das neue Jahr wird für die Gesamtwirtschaft in Deutschland und auch für das Handwerk kein leichtes Jahr werden. Selten haben sich Prognosen für die kommenden Monate so schwierig gestaltet, wie an der Jahreswende 2009/2010.

    Es gibt erste vorsichtige Anzeichen, dass der Abwärtstrend in dem wichtigen Bereich Maschinenbau beendet sein könnte und somit auch das Handwerk für den gewerblichen Bedarf wieder Hoffnung auf eine Trendwende fassen könnte. Noch aber ist keineswegs gesichert, dass es mit einer unvermeidlich steigenden Zahl von Insolvenzen und Kreditausfällen nicht doch noch zu einer Kreditklemme gerade für diese mittelständischen Unternehmen kommen wird. Ohnehin hat sich ja bereits im vergangenen Jahr die Finanzierungssituation der Handwerksbetriebe schwieriger gestaltet. Wenn diese Probleme zunehmen sollten, würde das auch für das übrige Handwerk Risiken heraufbeschwören, die bislang im Handwerk so nicht entstanden sind.

    Mit erheblichen Risiken bleibt die Arbeitsmarktsituation behaftet. Wo die Kurzarbeit und das Interesse vieler Arbeitgeber, Mitarbeiter angesichts der absehbaren demografischen Entwicklung möglichst zu halten, für eine ganz unerwartete Stabilität der Beschäftigung und damit der privaten Nachfrage gesorgt haben, bleibt die nähere Zukunft hier höchst unsicher - mit den entsprechenden Folgen für all die Handwerksbereiche (Lebensmittel, privater Bedarf, Gesundheit, Kfz), die vor allem auf private Kunden angewiesen sind.

    Die Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen für das kommende Jahr durchweg wieder mit einem freilich niedrigen Wirtschaftswachstum. Manche wie das DIW trauen der deutschen Wirtschaft sogar eine "schnelle Erholung" zu. Wenn sich diese Erwartungen tatsächlich bewahrheiten, die genannten Risiken also nicht nachhaltig durchschlagen würden, dann wäre das Handwerk mit einem schmerzenden blauen Auge (im Zuliefer- und im Kfz-Handwerk) davon gekommen. Alle übrigen Bereiche könnten sich sogar im Trend der Gesamtentwicklung bewegen und damit ihrerseits stabilisierend auf die Beschäftigung und Einkommen wirken.

    Aktuell meldet aber das Statistische Bundesamt allerdings, dass die Gesamtwirtschaft im vierten Quartal nicht mehr gewachsen sei. Das zeigt, auf welch wackeligen Füßen die wirtschaftliche Entwicklung noch steht. Für das Handwerk liegen keine vergleichbaren Daten vor. Deshalb ist derzeit schwer zu entscheiden, ob die recht befriedigende Stimmung im Handwerk sich in fundierten Daten erhärten wird, oder ob sie letztlich doch nur konjunkturpolitischen Strohfeuern zu verdanken ist.

    13. Januar 2010

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