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Pressemitteilung Nr. 27/2010 vom 21.05.2010

Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf und des Nordrhein-Westfälischen Handwerkstags mit dem "Bergischen Löwen" ausgezeichnet
Laudator Prof. Blank: "Wolfgang Schulhoff hat die Idee der Sozialen Marktwirtschaft zur Richtschnur seines Denkens und Handelns gemacht"
Preisträger mahnt Rückbesinnung auf ordoliberale Prinzipien und neues Vertragswerk für die Euro-Staaten an

Professor Wolfgang Schulhoff ist Träger des "Bergischen Löwen" 2010. Die Wirtschafts- und Mittelstandsvereinigung des Bezirks Bergisches Land vergab den Preis zum sechzehnten Mal. In einem Festakt am Freitag in der Landeshauptstadt würdigte der Präsident der Akademie der "Deutschen Welle", Prof. Theo Blank, den Preisträger als "überzeugungsstarken und mutigen Streiter gegen Fehlentwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft".

Schulhoff sei ein "reger, stets neugieriger Geist", "eine gelungene Kombination aus Sachkenntnis, Zivilcourage und Temperament", so der Jurist und langjährige Bundespolitiker Blank über den Empfänger der Auszeichnung. Der Laudator rief den erfolgreichen Widerstand Schulhoffs gegen die Wahl des Düsseldorfer Oberbürgermeisters mit Stimmen der rechtsextremen Republikaner im Jahr 1989 in Erinnerung - und dessen Vorbehalte als Volksvertreter im Bundestag gegen eine überstürzte Einführung des Euro. Hauptbegründung für sein Veto damals: Es gebe keine vertraglichen Vorkehrungen für den Fall der Krise eines Mitgliedsstaates. Dessen ungeachtet dürfe Schulhoff als "veritabler Verfechter der europäischen Einigung" gelten, wovon auch eine Buchveröffentlichung des Preisträgers mit dem Titel "Europa auf dem Weg zur Selbstfindung" zeuge. Bereits Mitte der 90er Jahre habe Schulhoff öffentlich die Forderung vertreten, die Managerhaftung zu verschärfen und bereits im Jahr 2002 seine Forderung in einen Gesetzesantrag gegossen, der damals noch keine Mehrheit gefunden habe. Der die Sebstbedienungsmentalität mancher Vorstände und deren Flucht aus persönlicher Verantwortung geißelnde, häufig zitierte Begriff des "manager value" stamme aus Schulhoffs Feder. "Wolfgang Schulhoff ist eine Unternehmerpersönlichkeit und ein Politiker, der die Idee der Sozialen Marktwirtschaft zur Richtschnur seines Denkens und Handelns gemacht hat, getragen von der Überzeugung, dass die Freiheit täglich neu erobert werden müsse", brachte Professor Blank das Votum des Auslobers auf den Nenner.

Zuvor hatte bereits der Vorsitzende der MIT, Norbert Hüsson, für den Auslober die Preisverleihung an Schulhoff begründet. Der Unternehmer und Spitzenrepräsentant sei ein "Glücksfall für die Handwerksorganisation und für den gesamten Mittelstand." Der `Bergische Löwe´ als einer der ältesten Preise für nachhaltiges Handeln gehe an eine Persönlichkeit, die "schon immer über den nächsten Wahltermin hinausgedacht und Verhalten an Werten orientiert" habe, so Gastgeber Hüsson.
Zu den Preisträgern des "Bergischen Löwen" vor Schulhoff gehören Dr. Jürgen Rüttgers, Friedrich Merz und der Abtprimas des Benediktinerordens, Dr. Notker Wolf.

Prof. Wolfgang Schulhoff nutzte seine Dankesreplik für eine fulminante Verteidigung der Sozialen Marktwirtschaft als Königsweg für die Gestaltung der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Auch in der bürgerlichen Parteienlandschaft sei der politische Begriff der Sozialen Marktwirtschaft mittlerweile "völlig beliebig und substanzlos" geworden. Es gebe nicht nur "viele offene Feinde, sondern auch viele falsche Freunde" dieser
Wirtschaftsverfassung. "Wie soll man in Zeiten der großen Finanz- und Wirtschaftskrise klaren Kurs halten, wenn der innere Kompass fehlt?", prangerte Schulhoff Fahrlässigkeit im Umgang mit dem Erfolgsmodell an. Und rief die wegweisenden Erkenntnisse der Gründervater des Konzeptes in Erinnerung: insbesondere Adam Smith, der ein profundes Verständnis für die Kraft der Freiheit entwickelt, ein historisches Plädoyer für die nutzbringende Kraft des Eigeninteresses und der freien Kooperation der Menschen gehalten und dabei auch das notwendige Vertrauen als ethisches Kapital nicht außer Acht gelassen habe. Nach erstem und zweitem Weltkrieg seien Liberalismus und "Kapitalismus" diskreditiert gewesen. Ein ethisch fundierter wirtschaftlicher Neubeginn in Gestalt des Ordoliberalismus habe sich gegen verbreiteten materialistischen und kollektivistischen Irrglauben behaupten müssen. Wilhelm Röpke, Walter Eucken, Alexander Rüstow und Friedrich August von Hayek nannte Schulhoff als zentrale Figuren, die die liberale Idee kritisch erneuert hätten. Sie hätten eine Abgrenzung zur totalitären Planwirtschaft, aber auch zum Protektionismus, Interventionismus und zur Kartellbildung des überkommenen Kapitalismus gesucht. Ludwig Erhard habe Deutschland schließlich das Reformprogramm verpasst, welches den Prinzipien des freien Leistungswettbewerbs zum Durchbruch verholfen und auch den Menschen als Maßstab der Wirtschaft wieder in den Mittelpunkt gerückt habe. "In der Bilanz ein großartiger Erfolg, der Frieden, Freiheit und Wohlstand gebracht hat", beschloss Schulhoff seinen historischen Rückblick, aus dem er einen umfangreichen politischen Forderungskatalog an die Adresse von Regierung und Parlament ableitete. So müsse Managern, die Freiheiten in Anspruch nähmen, ohne für die Folgen einzustehen, als "Zechprellern der Marktwirtschaft" und "Drückebergern" das Handwerk gelegt werden, so der Kammerpräsident und Vorsitzende des NRW-Handwerkstags. Ein verschärfter Ordnungsrahmen für außer Kontrolle geratene Märkte wie dem Finanzsektor müsse vor allem das Haftungsprinzip stärken. Den Euro-Staaten schrieb Schulhoff ins Stammbuch, jeder weiteren Verschuldungspolitik einen Sanktions-Riegel vorzuschieben. "Wir brauchen ein neues Vertragswerk für die Euro-Gemeinschaft, eine gemeinsame Budgetpolitik und ein Ausstiegsszenario für Währungsmitglieder, die gegen eine Stabilitätskultur verstoßen!", mahnte der Handwerkspräsident. Auch Deutschland leiste sich eine "atemberaubende" Staatsverschuldung, eine Tragfähigkeitslücke in den Sozialkassen und vernachlässige Investitionen in Bildung und Infrastruktur. "Wir brauchen eine Rückbesinnung auf die Soziale Marktwirtschaft: als starke Ordnungspolitik und als Gesellschaftsmodell, das auf Leistungswillen, Anstand und Verantwortung beruht", lautete Schulhoffs vom Auditorium stark applaudierter Schlußappell.

Pressesprecher:
Alexander Konrad

0211 8795-140
0211 8795-144
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