Maler- und Lackierermeister Maximilian Swertz
Ingo Lammert

Bestmeisterinnen und Bestmeister Jahrgang 2020

Zielstrebigkeit und Durchhaltevermögen - das haben alle Meister-Absolventen gezeigt. Die Besten stellen wir hier vor.

Friseurmeisterin Michele Düpree
Ingo Lammert

Michele Düpree

Friseurmeisterin aus Paderborn

Wer von sich behaupten kann, bei einem Weltmeister zu arbeiten, ist wohl schon weit oben angekommen. Und so verwundert es nicht, dass Michele Düpree, die vor gut einem Jahr ihre Meisterprüfung als Beste ihres Jahrgangs hinlegte und derzeit als Friseurmeisterin beim vielfach ausgezeichneten Daniele Dragotta in Gütersloh tätig ist, voller Begeisterung über einen Salon berichtet, in dem „immer etwas los ist“. Und in dem sie ständig Neues dazulernt: Nicht nur die Einblicke in aufwändige Fotoshootings, das Interagieren zwischen Make-up-Artist, Fashionstylist, Fotograf, Model und Hairstylist, faszinieren die 22-Jährige, auch die Mitwirkung an der Ausbildung des Nachwuchses erfüllt sie.

"Aus jedem Job kann eine Berufung werden und etwas Großes entstehen."

„Fachlich wie menschlich zu wachsen“, ist das Ziel der jungen Nachwuchshandwerkerin, die auch mit dem Meistertitel noch viel Potenzial sieht, ihre Kenntnisse zu erweitern – wie zum Beispiel durch den „Betriebswirt des Handwerks“. Ob sie hingegen eines Tages den Salon ihrer Mutter übernehmen wird, „steht noch in den Sternen“, so Düpree. Außergewöhnliche Stärke bewies die junge Paderbornerin aber schon früh, als während ihrer Abiturzeit ihre Mutter schwer erkrankte und sie wie selbstverständlich, in enger Absprache mit den Mitarbeitern, im Betrieb einsprang. Diese Erfahrung gab wohl auch letztlich den Ausschlag für das Friseurhandwerk. Denn obwohl Michele „quasi in Salons und auf Friseurmessen“ groß wurde und später ihre Freundinnen vor Partys frisierte, hatte sie auch mit der Tiermedizin geliebäugelt. Dass ihr als Gymnasiastin von Lehrern von einer Friseurausbildung abgeraten wurde, hat sie damals schon wütend gemacht.

Die Leidenschaft für ihren Beruf („Ich verbringe gerne Zeit im Salon mit den neuesten Looks, Schnitten und Farben“) und das Erreichte geben Düpree heute Recht. Um die Zukunft und Nachwuchs in ihrem Handwerk macht sie sich allerdings auch Gedanken: „Es muss ein gesellschaftliches Umdenken stattfinden – nicht jeder braucht einen akademischen Werdegang.“ Für den Friseurberuf wünscht sie sich mehr Anerkennung. Ein Beruf, der ständig im Wandel ist, der Bereitschaft zur Weiterentwicklung und viele Kompetenzen verlangt: Fingerfertigkeit und Geduld, Interesse an Beauty und Trends, aber auch Freude am Kontakt mit Menschen. Für Michele Düpree der beste der Welt: „Aus jedem Job kann eine Berufung werden und etwas Großes entstehen“, ist sie überzeugt.

Fleischermeister Ernst Christoph Geier
Ingo Lammert

Ernst Christoph Geier

Fleischermeister aus Lüdenscheid

Nicht einmal ein Bombenfund am letzten Tag der praktischen Prüfung konnte Christoph Geier stoppen. Obwohl diese vorzeitig beendet werden musste und der Fleischer-Fachmann deshalb sein vorbereitetes Buffett nicht vollständig arrangieren konnte, schaffte er die Meisterprüfung als Bester seines Fachs. Zuvor hatte der junge Mann schon weitblickend eine Ausbildung zum Bürokaufmann in der firmeneigenen Buchhaltung des elterlichen Betriebs absolviert – und den kaufmännischen Teil der Meisterprüfung sogar parallel zur Fleischer-Ausbildung, die er mit Auszeichnung abschloss. 

"Ich fand es immer schon gut, wenn ich am Ende eines Arbeitstages sehen konnte, was ich mit meinen Händen geschafft habe."

All dies war für den heute 32-Jährigen Vorbereitung für den entscheidenden Schritt: Gerade steckt er nämlich mittendrin in der Übernahme des familieneigenen Fleischereiunternehmens in Lüdenscheid. „Für mich kam nie etwas anderes in Frage, als den Betrieb in der achten Generation weiterzuführen.“ Und diese Familie blickt in der Tat auf eine beeindruckende Geschichte zurück: Was im Jahr 1785 mit einem Metzgergesellen auf Wanderschaft begann, der sich im Sauerland niederließ, entwickelte sich zu einem nunmehr über 230 Jahre existierenden Traditionsunternehmen.

Für Christoph Geier haben seine Zukunftspläne mit der Übergabe des elterlichen Betriebs schon Gestalt angenommen. Das Unternehmen mit 85 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern führt er ab sofort gemeinsam mit seinen Eltern und seiner Frau, die ihrerseits ihre Ausbildung als Fleischereifachverkäuferin als Prüfungsbeste in NRW abgeschlossen hat. Mit den drei Zweigen Großhandel, Filialgeschäft und Partyservice ist die Familie breit aufgestellt – was sich in Zeiten von Corona, in denen der Partyservice stark rückläufig ist, als vorteilhaft erwiesen hat. Persönlich kommt für ihn zum beruflichen Erfolg noch das private Glück hinzu: Da Christoph Geier und seine Frau ihr erstes Kind erwarten, wird vielleicht schon bald der Grundstein für die 9. Generation gelegt … 



Kälteanlagenbauermeister Theodor Gundrum
Ingo Lammert

Theodor Gundrum

Kälteanlagenbauermeister aus Erkelenz

Theodor Gundrum wurde in Kasachstan geboren und kam im Alter von zehn Jahren als Aussiedler nach Deutschland. Um seine Sprachkenntnisse zu verbessern, ging er zunächst noch einmal zur Grundschule. Die Realschule schloss er mit der Fachoberschulreife mit Qualifikation zur gymnasialen Oberstufe ab. „Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits volljährig und wollte finanziell unabhängig sein. Also kam das Gymnasium für mich nicht in Frage.“ Den Einstieg in die Berufswelt, der zu Beginn nicht einfach war, verdankt er zu einem guten Teil auch der Hilfe seiner damaligen Klassenlehrerin („unfassbar gut und engagiert“), die ihn auf eine Ausbildung zum Kälteanlagenbauer aufmerksam machte.

"Die beste Motivation für das Durchhalten war und ist meine Familie. Ich gebe mein Bestes, um ein Vorbild für meine Kinder zu sein. Und dass es jetzt sogar zum Bestmeister gereicht hat, ehrt mich sehr."

Bis er tatsächlich seine Ausbildung antreten konnte, waren noch einige Hürden zu überwinden, aber schließlich konnte Theodor Gundrum im Jahr 2000 die Lehre beginnen und 2003 erfolgreich abschließen. Nach seinem Zivildienst beim Deutschen Roten Kreuz kehrte er als Geselle in sein Ausbildungsunternehmen zurück, das jedoch bald Insolvenz anmelden musste. „Praktisch am selben Tag“ fand er eine neue Anstellung in einer Firma in Erkelenz, wo er bis heute beschäftigt ist. „Hier hatte ich viel Freiraum und konnte mich bestens entfalten, mir jeden Tag mit viel Interesse und Lernbereitschaft neues Wissen aneignen.“ Mit der beruflichen Sicherheit im Rücken heiratete Gundrum mit 23, baute mit 25 „mit jeder Menge familiärer Unterstützung und Eigenleistung“ ein Eigenheim, und wurde mit 29 zum ersten Mal stolzer Vater.

Um einige Jahre und Erfahrungen reicher fühlte sich Theodor Gundrum bereit für den nächsten Schritt. Nach 12 Jahren entschloss sich der Mittdreißiger – nach Absprache mit seiner Frau und seinem Chef – die Meisterfortbildung zu beginnen. „Eine gewisse Berufserfahrung vor der Meisterschule finde ich sehr wichtig, denn nur so kann man sein Handwerk praktisch verfeinern. Das kann dir keine Schule bieten.“ Auch wenn er die theoretische Mathematik „eine große Herausforderung“ nennt und die Qualifizierung in Teilzeit stemmte – harte, stressige, aber auch wissensreiche zweieinhalb Jahre – stand am Ende der Erfolg: Meistertitel, Jahresbestmeisterauszeichnung und eine Meisterstelle mit neuen Aufgabenbereichen in seinem Betrieb.

Bestmeister des Jahrgangs 2020
Anne Jansen

Anne Jansen

Maßschneidermeisterin aus Mönchengladbach

Planen, berechnen und entwerfen, das war immer das, was Anne Jansen beruflich machen wollte. Nach einem Praktikum in einem Architekturbüro stand deshalb für sie eigentlich fest, dass sie Bauingenieurin werden wollte. Und heute: Die Mönchengladbacherin ist frisch gebackene Maßschneidermeisterin und wurde als beste Damenschneiderin ihres Jahrgangs gekürt. Gerade ist sie zudem zurückgekehrt von ihrem ersten Job als Maßschneiderin auf dem Luxuskreuzfahrtschiff MS Europa 2, wo sie nur eine Woche nach ihrer letzten Prüfung „anheuerte.“ 

"Ich träumte von einem Bauingenieur-Studium, wollte immer planen, berechnen und entwerfen. Was ich aber letztlich in meiner Leidenschaft für das Schneidern wiedergefunden habe! Mit dem Unterschied, dass ich nun mein Werk direkt entstehen sehen kann."

In Corona-Zeiten bewies die 28-Jährige mit einer Initiativbewerbung Flexibilität: Nach Sicherheitstraining und Quarantäne ging es für knapp fünf Monate auf See – mit einer Sieben-Tage-Woche und der alleinigen Verantwortung „für das gesamte Uniformlager an Bord mit circa 370 Crew-Mitgliedern. Dazu gehörten die Bestellung, Instandhaltung, Ausgabe und Annahme, sowie Inventuren und Abschreibungen.“

Ungewöhnlich war auch ihr Weg ins Handwerk. Anne Jansen fand, nachdem sie ihr Studium an der RWTH Aachen aufgegeben hatte, immer mehr Gefallen an einer Maßschneiderlehre, und schaffte es schließlich, obwohl sie keinerlei Erfahrung im Nähen hatte, eine Ausbildungsstelle im renommierten Haute Couture-Maßschneideratelier Pio O’Kann an der Düsseldorfer Königsallee zu ergattern. Es folgten erfolgreiche Gesellenprüfung mit Auszeichnung als zweite Kammersiegerin im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks und schließlich die unter schwierigen Bedingungen im Corona-Jahr abgelegte Meisterprüfung. Die Ungewissheit, ob alle Vorbereitungen und Investitionen für das geplante Meisterstück von Materialkosten bis zum Modell, das zur Prüfung anreist, am Ende umsonst gewesen sein könnten, belastete die gesamte Prüfungszeit zusätzlich. Doch ihr Projekt – ein wandelbares Composé aus einem figurbetonten Trägerkleid in Marineblau mit einer taillierten Jacke sowie ein eleganter Abendrock mit Faltenvariationen und handbestickten Knöpfen – überzeugte ebenso wie Arbeitsprobe und Situationsaufgabe.

Jansens ursprüngliche Berufswünsche spiegeln sich durchaus in ihrer heutigen Leidenschaft für das Maßschneidern – „mit dem großen Unterschied, dass ich nun mein Werk direkt entstehen sehen kann. Und das von Anfang bis Ende.“



Graveurmeisterin Heike Krusch
Heike Krusch

Heike Krusch

Graveurmeisterin aus Waldheim

Der Bezug zum Handwerk war für Heike Krusch seit früher Jugend gegeben – schließlich gründete ihr Vater als Graveurmeister den familieneigenen „Gravierbetrieb F. Wilhelm“ im mittelsächsischen Döbeln. So war es nur folgerichtig, dass die Tochter mit ihrer starken Affinität zu diesem Handwerk die Ausbildung zur Graveurin im elterlichen Betrieb antrat. Die Lehre schloss sie mit der Gesellenprüfung im Jahr 2004 erfolgreich ab.

"Mit den eigenen Händen Großartiges gestalten: Ich konnte mir keinen anderen Beruf für mich vorstellen."

„Ich konnte mir keinen anderen Beruf für mich vorstellen“, bekennt die heute 38-Jährige, die sich als „ehrgeizig, ordentlich und perfektionistisch veranlagt“ – keine schlechte Voraussetzung für ein Handwerk, das Genauigkeit und Konzentration verlangt und darüber hinaus extrem vielseitig ist: „Von der Gestaltung und Fertigung von Awards, über die Herstellung von Schildern aller Art bis hin zur Verzierung von Schmuckstücken könnte die Bandbreite kaum größer sein“, bekräftigt Krusch. Im Familienunternehmen in Döbeln werden beispielswiese Teile in Kleinserie gefräst, Aluminiumbearbeitungen übernommen, aber auch Stempel und Glasgravuren gefertigt.

Mit den eigenen Händen und durch Fertigung an verschiedenen Maschinen „Großartiges zu gestalten“, dafür braucht es nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch künstlerische Begabung und Interesse an der Arbeit mit unterschiedlichen Materialien wie Metall, Kunststoff, Glas oder Holz. Ebenso gefragt ist technisches Know-how, denn neben der Handgravur kommen auch modernste Techniken wie Lasergravur zum Einsatz. All dies konnte die Graveurin dann auch bei ihrer Meisterprüfung einsetzen. Als Meisterprüfungsprojekt entwarf Heike Krusch eine Magnetwand aus Edelstahl mit einem Dauerkalender, bei der sie das Thema „Apfel“ in unterschiedlichen Facetten mit einer Kombination von Graviertechniken und Materialien (Kupfer, Messing, Stahl) variierte, die Situationsaufgabe bestand in einem Award. Das Prüfungsergebnis – beide Teile mit „sehr gut“ bestanden – war die verdiente Belohnung für außerordentlichen Einsatz; trotzdem hätte die Meisterabsolventin nie damit gerechnet, dass sie als Beste abschließen würde.

Nachdem sie 2010/11 Teil 3 der Meisterprüfung in Döbeln und Chemnitz abgeschlossen hatte, hatte sich für Heike Krusch 2018 die Möglichkeit ergeben, Teil 1 und 2 berufsbegleitend in Düsseldorf zu absolvieren – was allein aufgrund der Entfernung nicht leicht zu stemmen war. Ohne den familiären Rückhalt wäre dieser Schritt für die zweifache Mutter wohl nicht möglich gewesen, und deshalb ist die frisch gebackene Graveurmeisterin, die von sich sagt, ihr Hobby sei ihre Familie, auch ihren Eltern, von denen sie immer unterstützt wurde, dankbar. Deren Lebenswerk einmal zu übernehmen, bedeutet für Krusch, die seit fast 20 Jahren im Betrieb beschäftigt ist, in große Fußstapfen zu treten. Sie will auch in Zukunft breit aufgestellt bleiben und weiß um die Qualität, die sie als gut ausgebildete Handwerksmeisterin bieten kann: „Grundsätzlich halten wir die Fachberatung vor Ort für sehr wichtig und sehen hierin auch einen großen Vorteil gegenüber dem Onlinehandel.“ 

Kraftfahrzeugtechnikermeister Manuel Kuhlen
Ingo Lammert

Manuel Kuhlen

Kraftfahrzeugtechnikermeister aus Mönchengladbach

Wer derzeit eine optimistische Stimme vermisst, findet sie bei Manuel Kuhlen. Der 41-Jährige Mönchengladbacher ist seit vier Monaten Kraftfahrzeugtechnikermeister, und das als Jahresbester: Von allen 171 Teilnehmern an der Kfz-Meisterprüfung im Bezirk der Handwerkskammer Düsseldorf im vergangenen Jahr hat er die überzeugendste Leistung geboten. Eine klare Vorstellung hat er auch von seinem nächsten Ziel: „Ich werde den Familienbetrieb übernehmen und weiterführen. Zudem kann ich mir gut vorstellen, selbst Nachwuchs auszubilden." 

"Bei aller technologischen Erneuerung: Handwerkliches Geschick und Eigeninitiative bleiben in meinem Beruf ein großer Vorteil."

Zwar sei der Strukturwandel durch Digitalisierung und Elektromobilität unaufhaltsam - "Ich sehe der Zukunft für Kfz-Werkstätten aber positiv entgegen. Jedes Fahrzeug ist ein komplexes mechanisches Gebilde, das Wartung und Service benötigt. Es bleibt ein zeitloses Objekt der Leidenschaft,“ blickt Kuhlen mit Vorfreude auf die Herausforderung in unternehmerischer Eigenständigkeit.

Quasi „in der Kfz-Werkstatt meines Vaters“ aufgewachsen, hat Kuhlen sich nach der Schule für den damals neuen Beruf des Automobilkaufmanns entschieden. Nach erfolgreicher Ausbildung wechselte er in den elterlichen Betrieb, wo er schnell Verantwortung für den kaufmännischen Bereich und den Fahrzeugverkauf übernahm. Auch während dieser Zeit schaffte er es, „an der Technik dranzubleiben“, und sich durch Mitarbeit im gesamten Spektrum der Kfz-Mechatronik das fachliche Hintergrundwissen anzueignen. Für den Allrounder, der seine technologische Kompetenz nicht über eine grundständige Ausbildung, sondern in der Praxis erworben hat, war es deshalb eine Überraschung und besondere Genugtuung, die Prüfung als Bester geschafft zu haben. Die Prüfungsvorbereitung bedeutete, die Meisterlehrgänge berufsbegleitend im Abendkurs zu besuchen – anderthalb Jahrzehnte nach Schule und Berufskolleg ein entbehrungsreicher Lebensabschnitt für den Familienvater: „Es war hart“, bestätigt Kuhlen. Natürlich auch deshalb, weil im Corona-Jahr 2020 Lernenden und Lehrenden gleichermaßen viel abverlangt wurde.

Aktuell beschäftigt sich Manuel Kuhlen mit den Details des anstehenden Wechsels in die leitende Firmenverantwortung und feilt bereits an dem, was in Zukunft seine unternehmerische Handschrift ausmachen soll.



Fahrzeuglackierermeister David Leo
Ingo Lammert

David Leo

Fahrzeuglackierermeister aus Remscheid

Das Meisterstück von Fahrzeuglackierer David Leo – ein exklusives, frei zu gestaltendes Objekt – ist ein echter Hingucker: Leo arbeitete die Heckpartie eines 33 Jahre alten Mini Cooper aufwändig zur Kaffeebar auf – inklusive Einsatz verschiedener Lacktechniken. Offensichtlich konnte der 23 Jahre junge Bestmeister des Jahrgangs 2020 in der Prüfung nicht nur seine planerischen Stärken und seine – trotz Corona – effektiven Lernstrategien ausspielen, sondern auch die ganze Faszination, die das Handwerk für ihn ausmacht. „Der Beruf ist einfach meins! Die mit dem optimalen Lackauftrag verbundene Steigerung der Oberflächenqualität. Der Bereich Unfallinstandsetzung mit immer wieder neuen Arbeitsweisen und Technologien. Die Bandbreite in technischen Fragen, von der Farbtonfindung bis zur eigentlichen Lackierung sowie De- und Montage von Anbauteilen“, erläutert der Remscheider begeistert.

"Kollegialität und gegenseitige Unterstützung sind hoch. Freundschaft erlebe ich am intensivsten im Handwerk."

Die Neigungen, die seine Berufswahl schließlich bestimmen sollten, waren von Anfang an breit gefächert: ein Faible für Fahrzeuge, vorzugsweise für schnelle und alte, aber auch die Lieblingsfächer Mathematik und Kunst in der Schule, die sowohl auf eine Vorliebe für genaues Arbeiten als auch auf kreative Fähigkeiten hinweisen. Auch wenn sich Leo zunächst vom allgemeinen Run zur Uni anstecken ließ und Wirtschaftsmathematik studierte, merkte er „bei allem Interesse für dieses Fach“ schnell, dass „man da einer von vielen tausenden Studierenden ist, außerdem fehlte mir der Realitätsbezug der Themen.“ Ein Praktikum in der heimatlichen Werkzeugbauerstadt und das Vorbild des Vaters brachten den Abiturienten dann zum Handwerk und schlussendlich in den richtigen Ausbildungsbetrieb, ein kleines Familienunternehmen. Schon die Gesellenprüfung legte er mit ausgezeichnetem Ergebnis ab. Vom Meisterlehrgang, den der Fahrzeuglackierer im Vollzeitmodus direkt dranhängte, profitierte er auch persönlich – nicht zuletzt, was das Selbstvertrauen betrifft. Alles Schritte auf dem Weg in die richtige Richtung: um knifflige technische Probleme zu lösen und mit handwerklich anspruchsvollen Techniken sichtbare Resultate zu erzielen.

Dass die Karrieremöglichkeiten im dualen Bildungsweg an seiner Schule damals kein Thema waren, bedauert Leo, denn „das Handwerk bietet eine enorme Entfaltungsmöglichkeit!“ Noch ein Pluspunkt: Konkurrenzdenken habe er nie erfahren. „Auch die Kollegialität und gegenseitige Unterstützung sind hier hoch; Freundschaft erlebte ich am intensivsten im Handwerk.“

Jahresbestmeister 2020 Schulz
Marcel Schulz

Marcel Schulz

Metallbildnermeister aus Tangstedt

Ein Praktikum bei seinem späteren Ausbilder und Arbeitgeber war für Marcel Schulz in doppelter Hinsicht ein Glücksgriff: Nicht nur, dass ihm dabei klar geworden war: „Das ist mein Beruf, das will ich machen!“, auch mit der Wahl seines Ausbildungsbetriebs, der „Metallumformung Klose“ in Quickborn, hätte er es nicht besser treffen können. Dabei kannte er bis dato das Metallbildner-Handwerk gar nicht, wurde erst durch einen Klassenkameraden darauf aufmerksam – und der war der Sohn seines jetzigen Chefs. Glück eben.

"Am meisten gefällt mir, dass man das Produkt seiner eigenen Arbeit in den Händen halten kann - des Weiteren, dass man fast jeden Tag ein anderes Produkt herstellt!"

Bei Thomas Klose schloss Marcel Schulz die Ausbildung 2016 mit der Gesellenprüfung sehr erfolgreich ab (als Landessieger von Schleswig-Holstein und 2. Bundessieger im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks) und legte anschließend auch in der Meisterfortbildung die jahrgangsbeste Leistung hin. Insbesondere im praktischen Teil konnte er überzeugen. Als Meisterprüfungsstück fertigte Schulz ein Teeservice aus Messing/versilbert und Holz. Solche ästhetisch-künstlerischen Gegenstände, so der Jahresbestmeister, seien im Arbeitsalltag allerdings inzwischen die Ausnahme, den größten Anteil mache die Fertigung für die Industrie aus. Abwechslungsreich sei die Tätigkeit aber allemal: „Am meisten gefällt mir, dass man das Produkt seiner eigenen Arbeit in den Händen halten kann – des Weiteren, dass man fast jeden Tag ein anderes Produkt herstellt!“ 

Die Aufträge kommen beispielsweise aus dem Maschinenbau, aus der chemischen Industrie, aus dem Druckbehälter- oder Anlagenbau. Der gesamte Prozess von der Zeichnung über die Konstruktion der Drückform bis zur Fertigung wird im Unternehmen abgewickelt. Marcel Schulz muss sich beispielsweise über die Konstruktion eines Werkzeugs Gedanken machen und dieses für die CNC-Maschine programmieren. Danach sind Erstmuster oder erste kleine Musterserien zu erstellen und oft mit dem Auftraggeber abzustimmen. Obwohl 75 Prozent des Hauptgeschäfts bei Klose über gesteuerte Maschinen laufen, ist es wichtig, den Beruf noch von der Pike auf gelernt zu haben, meint Schulz.

Sein Beispiel zeigt auch, wie wichtig es für Jugendliche ist, sich umzuschauen und Verschiedenes auszuprobieren, Schulpraktika in unterschiedlichen Gewerken zu absolvieren, um sich ein eigenes Bild zu machen. Dann kann es, wie in seinem Fall, mit dem Traumberuf klappen!



Maler- und Lackierermeister Maximilian Swertz
Ingo Lammert

Maximilian Swertz

Maler- und Lackierermeister aus Bedburg-Hau

„Ein gutes Gefühl“ sei es, wenn man Kunden von der ersten Beratung bis zum Abschluss der Arbeiten durch Kompetenz und Erfahrung zufriedenstellen könne. Die meisten wüssten dies auch wertzuschätzen, beschreibt Maximilian Swertz, was ihm an seiner Arbeit besonders gefällt. Ob anspruchsvolle Sanierung und Umbauten, Hausfassaden oder Wandgestaltung in Privathaushalten in raffinierten, modernen Looks: Gerade im Maler- und Lackiererhandwerk könne man kreativ sein, vor allem, wenn man in die Planung von Projekten mit einbezogen sei. 

"Durch das duale System ist es einfacher, den Bezug zur Praxis herzustellen, und man merkt viel früher, ob der Beruf etwas für einen ist."

Kreatives Denken und ein Sinn für strukturiertes Vorgehen waren es wohl auch, die seinen Erfolg bei der Meisterprüfung ausmachten: Nach Beendigung der Situationsaufgabe – der Neugestaltung eines Architekturbüros – ließen die Prüfer bereits durchblicken, dass er mit dieser Leistung wahrscheinlich eine der besten Prüfungen abgelegt habe. Respekt!

Dabei war bei Maximilian Swertz, der am Niederrhein aufwuchs, das Handwerk trotz elterlichen Malerbetriebs in der Abiturzeit zunächst etwas aus dem Blickfeld geraten... Recht schnell merkte er aber im begonnenen Geographie-Studium, dass ihm an der Uni der Praxisbezug fehlte. Und kehrte schließlich zu dem zurück, was eigentlich schon klar gewesen war: dass er irgendwann in das Familienunternehmen einsteigen würde. Nach den ersten Wochen im Betrieb war er sich sicher, dass er die Ausbildung abschließen würde. Und so kam es dann auch – er legte die Gesellenprüfung als Innungsbester ab.

Viel Unterstützung und Zuspruch auf seinem Weg erhielt Maximilian Swertz von Familie und Freunden – gerade nach dem Wechsel vom Hörsaal auf die Baustelle. Gelegentlich treffe man jedoch auch auf Leute, welche diese Entscheidung nicht nachvollziehen könnten und habe oft das Gefühl, sich dafür rechtfertigen zu müssen. Für den Jahrgangsbesten ist das höchstens eine zusätzliche Motivation, den Beruf für junge Menschen attraktiver zu machen. Die größte Aufgabe ist es aus seiner Sicht, gute Mitarbeiter und Nachwuchs zu gewinnen. Ein Schlüssel dazu: die Zufriedenheit der Mitarbeiter, da sie mit ihren Fähigkeiten der wichtigste Erfolgsfaktor seien. Den Familienbetrieb, den er künftig weiterführen will, sieht er in dieser Hinsicht gut aufgestellt, vor allem, weil sie immer schon viel ausgebildet hätten. Sich selbst hingegen noch lange nicht am Ziel: „Natürlich möchte ich mich persönlich und beruflich noch weiterentwickeln. Trotz des Meistertitels gibt es weiterhin viel zu lernen.“

Augenoptikermeisterin Michelle Terpilak
Ingo Lammert

Michelle Terpilak

Augenoptikermeisterin aus Burscheid

36 Grad im Schatten: So heiß war es am Tag ihrer Meisterprüfung. Doch Michelle Terpilak blieb cool – trotz erschwerter Bedingungen mit Maske und Face-Shield. Sie freute sich einfach zu zeigen, was sie kann. Und das war einiges – Anamnese, Augenglasbestimmung und drei fallbezogene Screenings, mit einer „Probandin“ mit einer seltenen Augenerkrankung, außerdem Kontaktlinsenanpassungen, Messungen und Fachgespräch. Das Gefühl der Erleichterung nach der Prüfung stimmte, wie sich herausstellte: Es hätte für sie kaum besser laufen können! Trotzdem hatte sie nicht erwartet, Jahresbestmeisterin zu werden.

"Mir gefällt an meinem Beruf, dass es immer wieder Neues zu entdecken gibt. Jeder Kunde ist anders, und ich kann individuell auf seine Wünsche eingehen. Besonders viel Spaß macht es mir, Screenings durchzuführen. Wir legen viel Wert auf modernste Messtechniken."

Die 24-Jährige aus Burscheid, die in Kürze noch die Fortbildung zur Optometristin abschließen will, absolvierte ihre Meisterkurse in Teilzeit an der ZVA-Akademie der Augenoptik in Knechtsteden. mit jeweils 3 Tagen Unterricht und 3 Tagen, in denen sie weiter im Betrieb arbeitete. Für ihren Ausbildungsbetrieb ist sie auch heute noch tätig und man spürt die besondere Verbundenheit – vielleicht auch, weil Terpilak, die wegen Betriebsschließungen zwei Mal ihre Lehrstelle wechseln musste, hier endlich ihre Ausbildung erfolgreich abschließen konnte.

Ausschlaggebend für ihre Berufswahl war die medizinische Ausrichtung der Augenoptikerausbildung, denn schon in der Schule lag ihr der naturwissenschaftliche Bereich. Moderne Technik und außergewöhnliche Fälle wie komplizierte Prismenmessungen machen für Michelle Terpilak den Reiz ihres Berufs aus. Und natürlich die Vielseitigkeit: „Mir gefällt, dass es immer wieder Neues zu entdecken gibt. Jeder Kunde ist anders und ich kann individuell auf seine Wünsche eingehen. Besonders viel Spaß macht es mir, Screenings durchzuführen. Wir legen viel Wert auf modernste Messtechniken.“

Trotz des steigenden Angebots an Brillen und Kontaktlinsen im Internet ist die Bestmeisterin überzeugt, dass Augenoptiker nicht ersetzbar sind. „In unserem Betrieb ist uns Qualität wichtig, und das schätzen unsere Kunden. Kontaktlinsen ohne professionelle Anpassung, Hygieneeinweisungen und regelmäßige Nachkontrollen sollten nach meiner Ansicht nicht möglich sein.“