Energiewende - alles nicht so wichtig, oder was?

Von Andreas Ehlert, Präseident der Handwerkskammer Düsseldorf

Bis 2020 soll nach den Klimaschutzzielen der Bundesregierung der Wärmebedarf des Gebäudesektors um 20 Prozent sinken. Der Primärenergiebedarf des Gebäudesektors bis 2050 sogar um 80 Prozent. Nach einer 2012 veröffentlichten Studie „Strategien der Modernisierung“ der Heinrich-Böll-Stiftung liegt die Sanierungsquote allerdings derzeit bei einem Prozent – in NRW nach Erkenntnissen des „Kompetenz-Zentrums für Umwelt und Energie“ der Handwerkskammer Düsseldorf sogar deutlich darunter. In diesem Jahrhundert lässt sich die Klimawende so nicht erreichen.

War also die politische Zielsetzung viel zu ehrgeizig? Nein. Sanieren ist kein Hexenwerk. Auch kleinere Renovierungs- und Modernisierungsmaßnahmen, etwa die Türen-, Fenster- und Deckendämmung, können große Wirkung entfalten. Aber das wird den Menschen nicht gesagt. In den Köpfen sind stattdessen aufwendige Komplettsanierungen und teure Nullenergie- oder Plus-Energiehaus-Standards. Mit der Folge, dass Hauseigentümer abwarten, bis eine durchgreifende Förderung kommt. Dazu treiben der Modus bei der Stromeinspeisung und die teure Ausnahmenregelung für energieintensive Industrien den Strompreis verlässlich Jahr auf Jahr nach oben. Die Klimawende in den Köpfen ist zurzeit mausetot.

Das Desaster hat die Regierungspolitik selbst verschuldet. Ihre Kommunikationsleistung ist miserabel. Und der Wille zu einer angemessenen Förderlösung gelinde gesagt mäßig ausgeprägt. Bund und Länder bilden eine klimapolitische Vogel-Strauß-Allianz zulasten der Verbraucher, der Beschäftigung und der Innovation in diesem Land. Und nicht zuletzt: zulasten des Handwerks, das die Energiewende vor Ort ausführt. Und das seit Jahren alleine in NRW Tausende Gebäude-Energieberater für das Marktfeld geschult und zertifiziert hat. Für die Klimaziele ist es zwölf Uhr, nicht fünf vor. Um zu retten, was noch zu retten ist, muss eine doppelte Gemeinschaftsanstrengung aller föderalen Staats-ebenen unternommen werden. Jetzt.

Zum einen, um die Köpfe aufzuschließen. Mittels einer praxisnah konzipierten Machbarkeitsoffensive, die zeigt, was für wen und mit welchem Effekt sinnvoll und leistbar ist. Die überall nachvollziehbar und verfügbar ist. So wie der Solarrechner der Stadt Düsseldorf, der das Investment auf dem Dach und seinen Ertrag auf Heller und Pfennig exakt berechnet.

Und zweitens muss ein Durchbruch für die Masse des Gebäudebestandes her. Das heißt: für die Vielzahl der Hauseigner. Aber vor allem auch für Wohnungsbaugesellschaften, die bisher noch viel zu wenig im Blick der Politik sind. Obwohl sie gerade in NRW jede vierte Wohnung bewirtschaften. Das hundertfach bewährte Rezept für einen in der Fläche wirksamen Impuls lautet: Steuererleichterung. Dazu muss die Politik sich durchringen, wenn sie einen GAU für die Umwelt und für das politische System insgesamt vermeiden will. Eine gelingende Energiewende im Gebäudebestand würde den CO2-Ausstoß um 40 Prozent absenken. Es ist die wirksamste CO2-Einsparmaßnahme. Ein Zurück zur Atomkraft wird es nicht geben. Alternativen für russisches Gas sollten ebenfalls rasch erschlossen werden. Kohleenergie ist ein Landschafts- und Klimakiller. Die Speichertechnologie ist noch nicht so weit, Großtechnik wie neue Stromtrassen in der Bevölkerung umstritten. Politik – worauf wartest du?

Quelle: Deutsches Handwerksblatt