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Handwerk greift in Debatte um Zukunft des Ruhrgebiets ein

Pressemitteilung Nr. 39 vom 27.8.2018

Positionspapier der Kammern und lokalen Handwerksorganisationen im Revier mahnt Korrektur der Strukturförderung in Richtung Handwerk und Mittelstand an

Zum Jahresende schließt mit Prosper Haniel in Bottrop die letzte Zeche im Revier. Die Handwerkskammern und Kreishandwerkerschaften im Ruhrgebiet mahnen vor dem Hintergrund dieser historischen Zäsur in einem gemeinsamen Positionspapier eine grundsätzliche strukturpolitische Neuausrichtung der Ruhrförderung des Landes in Richtung der Potenziale von Handwerk und Mittelstand an. Kernaussage des Memorandums: "Die Metropole Ruhr muss zukünftig vor allem auf kleine und mittlere Unternehmen setzen, will sie Abhängigkeit von Monostrukturen ausgleichen und Ausbildung, Beschäftigung und Innovationskraft entwickeln." Dafür seien vor allem bessere mikroökonomische Rahmenbedingungen und Anreize herzustellen - vor allem für das Berufliche Bildungswesen an Ruhr, Emscher und Lippe, dessen Infrastruktur die Verfasser als vergleichsweise besonders modernisierungs-bedürftig klassifizieren. Systematisch auszubauen und zu verstetigen sei darüber hinaus der Forschungstransfer zwischen Hochschulen, Technologiezentren und dem gewerblichen Mittelstand sowie die Digitalisierung der ansässigen Unternehmen.

Das Handwerk alleine operiere mit rund 282.000 Erwerbstätigen (im Jahr 2016) "längst auf Augenhöhe mit der Industrie und ist mit seinen knapp 45.000 Betrieben Stütze des Unternehmertums in der Region", wies Dortmunds HWK-Präsident Berthold Schröder auf die veränderten Proportionen bei der Wertschöpfung der Ruhrwirtschaft hin. Dennoch verfüge das Handwerk in der Metropole Ruhr je Einwohner über weniger Betriebe, weniger tätige Personen, weniger Umsatz und weniger Auszubildende als im übrigen Nordrhein-Westfalen. "Das zeigt: Für die Metropole Ruhr liegt ein erhebliches Potential darin, mittelständische Strukturen zu stärken", lieferte der Präsident der HWK Münster Hans Hund ein zentrales Begründungsmerkmal für den Vorstoß.

Die Besonderheit des Positionspapiers des Handwerks besteht in einer integrativen Betrachtung wirtschafts- und bildungspolitischer Aktivierungspotenziale: Hervorragende Angebote der beruflichen Bildung einschließlich dualer und trialer Ausbildungsstudiengänge der "Höheren Berufsbildung" sollen dem akademischen Qualifizierungstrend Paroli bieten, einen Aufwuchs an Fachkräften stimulieren und dabei gleichzeitig den Boden für die bislang unterdurchschnittlich ausgeprägte unternehmerische Selbstständigkeit verbreitern. Die beteiligten 14 Organisationen greifen mit ihrem gemeinsamen Vorstoß die im Koalitionsvertrag definierte Selbstverpflichtung der Landesregierung auf, für die "gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umwälzungen in der Metropole Ruhr neue Antworten" finden zu wollen. "Wir gehen davon aus, dass die von Ministerpräsident Laschet für 2019 angekündigte Ruhrkonferenz den Impuls und die Empfehlungen des Handwerks substanziell aufnimmt und weiterführt", betonte der Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf Andreas Ehlert aus Anlass der gleichzeitigen Veröffentlichung des Positionspapiers an den Standorten der beteiligten Kammern und Kreishandwerkerschaften. Das Handwerk wird die von ihm angestoßene Zukunftsdebatte im Rahmen eines eigenen "Ruhr Forums Handwerk" am 4. September auf Zeche Zollverein in Essen u.a. gemeinsam mit Landesbau- und Kommunalministerin Ina Scharrenbach, OB Daniel Schranz (Oberhausen) und RVR-Direktorin Karola Geiß-Netthöfel vertiefen.

Die Initiatoren des Ruhr-Papiers des Handwerks kündigten außerdem an, die Zusammenarbeit der 14 beteiligten Organisationen in einem Arbeitsbündnis „Handwerk Region Ruhr“ zu verstetigen und sich in dieser Aufstellung in allen mit Entwicklungsfragen der Ruhr befassten Gremien, insbesondere dem Regionalverband und der Metropole.Ruhr, einzubringen. "Das Handwerk selbst verfügt in Dortmund, Gelsenkirchen, Krefeld und Oberhausen bereits über Kompetenzzentren, die den Zutritt in neue Märkte und die Digitalisierung der betrieblichen Abläufe, Produktion und Produkte durch Beratung und Qualifizierung fördern und voranbringen. Umgekehrt erwarten wir, dass die politischen Akteure das Handwerk und den Mittelstand ab sofort eng in die Strategien zu zentralen Handlungsfeldern der Kommunal- und Regionalpolitik einbeziehen", bezogen die Präsidenten der drei Ruhr-Kammern selbstbewusst Position.

Anmeldung zum Ruhr Forum bis 28. August 2018

Alexander Konrad, Pressesprecher Handwerkskammer Düsseldorf

Alexander Konrad

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