Feierliche Preisverleihung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund
HWK Düsseldorf
Feierliche Preisverleihung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund

manu factum 2017: Viel Kreativ-Potenzial

Die 135 besten Arbeiten des Wettbewerbs sind noch bis zum 5. November 2017 im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund zu sehen.

56 Ausstellerinnen und Aussteller aus dem Kammerbezirk Düsseldorf

Im Rahmen der feierlichen Eröffnung der manu factum 2017 konnte sich auch eine Düsseldorferin über einen der begehrten, mit 10.000 Euro dotierten Staatspreise im nordrhein-westfälischen Kunsthandwerk freuen: Alessa Joosten, Studentin an der Peter Behrens School of Arts, erhielt die Auszeichnung aus der Hand von Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte. Im Themenbereich „Schmuck“ schuf Joosten eine grafische und skulpturale Kette, die unten kunstvoll zu einem großen Knoten verschlungen ist. Das verwendete Material – Holzfurnier – verleiht dem Schmuckstück eine überraschende Leichtigkeit.

Der renommierte Preis, der seit den 60er Jahren alle zwei Jahre vergeben wird, ging in den weiteren Kategorien an Ulrike Becker aus Münster für den Beistelltisch „Dreihundert“ (Möbel), den Kölner Künstler Ira Marom für seine Installation mit Porträts geflüchteter Menschen (Medien), Konrad Koppold aus Leverkusen mit drei Eichenholz-Objekten „Asymmetrie“ (Wohnen) sowie an Textilgestalterin Barbara Hattrup aus Salzkotten für eine Wandinstallation aus Faserkacheln (Skulptur). Im Themenfeld Kleidung wurde kein Preis vergeben. Die 28. Landesausstellung „manu factum“ mit den besten Wettbewerbsarbeiten ist noch bis zum 5. November zu sehen.

Kunststück!

Eine hochkarätig besetzte Preisverleihung und eine bereits jetzt hochgelobte Ausstellung machen deutlich: Die Neuaufstellung bei der manu factum, die 2015 aufgewertet und mit einem neuen Konzept versehen worden war, ist geglückt. Davon zeugte nicht nur die Zahl von 450 Bewerbungen und 135 Ausstellungsteilnehmern. Auch von der durchweg hohen Qualität zeigten sich Ausstellungsmacher, Festredner und Besucher beeindruckt. „Die Ausstellungsstücke“, resümierte NRW-Handwerkschef und Kammerpräsident Andreas Ehlert, der auch der Auswahlkommission angehörte, „haben mich begeistert – und zwar allesamt.“

Was den Wettbewerb ausmacht – die bewusst offene Ausrichtung – lässt sich ablesen an der Bandbreite der Exponate, bei denen Handwerk, Kunst und Design eine gelungene Verbindung eingehen – wie an der „gemischten“ Altersstruktur: Sind hier doch einerseits „Newcomer“ mit unkonventionellen Entwürfen zu entdecken, aber auch Kunsthandwerker, die ihr hohes Niveau immer wieder bestätigen. Für die jungen Absolventen der Handwerksakademien in Aachen und Münster oder der Designstudiengänge der Hochschulen beispielsweise in Düsseldorf oder Krefeld, kann die „manu factum“ Startschuss für eine Karriere im Bereich Gestaltung sein. Aber auch die gestandenen Handwerksmeister, die die besondere Qualität handwerklicher Präzision mitbringen, brauchen sich in punkto Einfallsreichtum keineswegs hinter den sogenannten „Kreativberufen“ zu verstecken.

Mit handwerklichem Fundament

Erfreulich aus Düsseldorfer Sicht: 56 von 135 Ausstellerinnen und Aussteller kommen 2017 aus dem Kammerbezirk. Darunter Staatspreisträger aus vergangenen Jahren wie Wilfried Grootens (2011) oder Christine Ruff (2013). Und vielversprechende Talente wie Annika Staudt, seit 2017 Meisterin im Steinbildhauerhandwerk, die in Düsseldorf die Werkstatt von Friedrich Meyer weiterführt. In der Schweiz arbeitete sie als technische Modellbauerin und Bildhauerin für einen Architekten von Weltrang: Peter Zumthor. Die künstlerische Reife sieht man ihrem Steingefäß an. Johannes Sitsen absolvierte 2013 die Meisterprüfung bei der Handwerkskammer als Bester seines Jahrgangs. Er nahm mit einem raumhohen Wandbild aus Messing teil. Die gelernte Tischlerin Christine Kelle aus Wuppertal erdachte eine minimalistische Garderobe. Der Clou des komplett zerlegbaren Möbels der Produktdesignerin ist die Linienführung. Julian Jacobs, bereits bei den „Designtalenten NRW“ erfolgreich, sieht in seiner Hinwendung zu Design, Entwurf und Raumkonzeption keine Abkehr vom Handwerklichen, sondern eine Weiterentwicklung. Auch ein Möbel sei, mit dem Auge des Bildhauers betrachtet, eine Skulptur, so der Mönchengladbacher. Sein Vater Werner Jacobs wiederum gewann 2005 und ist mit seinen Stelen aus Stein quasi „abonniert“ auf die Teilnahme an der Landesausstellung. Die Düsseldorfer Buchbindermeisterin Ulrike Meysemeyer fand es nicht einfach, sich im laufenden Betrieb Zeit für die künstlerische Extra-Arbeit zu nehmen. Ein wichtiges Gestaltungskriterium für die selbstständige Handwerkerin war, die Funktion sichtbar zu machen. Ihr aufwändig gefertigtes Gästebuch mit Fotoalbum kam in die engere Wahl bei den „Medien“. „Schließlich will man auch dahinter stehen“ – diese Anforderung an den eigenen Beitrag hörte man von vielen Teilnehmern, so auch von Claudia Schäfer, die mit dem innovativen Ohrschmuck „Freischwinger“ überzeugte. Nur einige von vielen Kunsthandwerkern an Rhein und Ruhr, von denen man gewiss noch viel erwarten darf.

Für eine schöne Geschichte am Rande sorgte die Auszeichnung von Konrad Koppold, als Mitglied der AdK Niederrhein dem rheinischen Publikum bestens bekannt: Das Museum bewies den richtigen „Riecher“, als es vor vier Jahren eine Arbeit des diesjährigen Preisträgers im Bereich „Wohnen“ für die eigene Sammlung ankaufte… Das Dortmunder Haus ist zum zweiten Mal Gastgeber der „manu factum“. Zusammen mit dem Museum für Angewandte Kunst in Köln, hat der Wettbewerb seit 2013 zwei feste Standorte, welche die Ausstellung im Wechsel ausrichten – im Rheinland und in Westfalen.

Ausstellung manu factum noch bis zum 5. November im Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Hansastraße 3, 44137 Dortmund (geöffnet Di, Mi, Fr, So 10 bis 17 Uhr, Do 10 bis 20 Uhr, Sa 12 bis 17 Uhr). Katalog: 10 Euro.



Neues Konzept für traditionsreichen Wettbewerb

Das neue Konzept der manu factum brachte frischen Wind in den traditionsreichen Wettbewerb. Statt sich streng am Werkstoff zu orientieren, können die Bewerber seit 2015 ihre Arbeiten in einem der sechs Themenfelder MÖBEL, SKULPTUR, SCHMUCK, KLEIDUNG, MEDIEN und WOHNEN einreichen. Das Preisgeld wurde auf je 10.000 Euro aufgestockt.

Dr. Gisela Framke (2.v.r.), stellvertretende Museumsdirektorin, zeigt beim Eröffnungsrundgang die prämierte Kette von Preisträgerin Alessa Joosten aus Düsseldorf (r.).
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Dr. Gisela Framke (2.v.r.), stellvertretende Museumsdirektorin, zeigt beim Eröffnungsrundgang die prämierte Kette von Preisträgerin Alessa Joosten aus Düsseldorf (r.).



Gefäß: Skulptur von Annika Staudt
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Gefäß: Skulptur von Annika Staudt



Themenfeld „Skulptur“

Annika Staudt nahm zum ersten Mal am Wettbewerb teil – trotz Prüfungsvorbereitung und Gründungsphase. Die manu factum war ihr schon seit der Ausbildung ein Begriff. Sowohl ihr Ausbilder Friedrich Meyer als auch sein Mitarbeiter Martin Vetten sowie Carolin Engels, eine ehemalige Auszubildende gewannen in früheren Jahren im Bereich „Stein“. Sie selbst habe lange überlegt, bevor sie sich für die Kategorie „Skulptur“ entschieden habe.



Themenfeld „Medien“

Ulrike Meysemeyer führt in Düsseldorf gemeinsam mit ihrer ehemaligen Ausbilderin die renommierte Buchbinderei Mergemeier. In ihren Augen wären kompakte Weiterbildungsangebote in Gestaltung, die sich mit dem Arbeitsalltag vereinbaren lassen, für Handwerker ideal – gerade für solche, die an der Grenze zur Kunst arbeiten.

Familienchronik: von Ulrike Meysemeyer für die manu factum 2017
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Familienchronik: von Ulrike Meysemeyer für die manu factum 2017



Freischwinger: Ohrschmuck von Claudia Schäfer für die manu Factum 2017
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Freischwinger: Ohrschmuck von Claudia Schäfer für die manu Factum 2017



Themenfeld „Schmuck“

Claudia Schäfer aus Wegberg gestaltete Ohrringe, die ohne Ohrlöcher zu tragen sind und dennoch nicht auf einen Punkt drücken. Die „Freischwinger“ konzipierte sie in einer reduzierten Form, die dennoch Spannung birgt.



Themenfeld „Möbel“

Christine Kelle studierte nach ihrer Meisterprüfung an der Hochschule Niederrhein Produktdesign. Für ihre Garderobe, die in der Auseinandersetzung mit dem Thema Konstruktivismus entstand, genügt ihr eine einzige Linie – ein Metall-Rohr. Das Möbel aus Aluminium und PVC ist komplett zerlegbar.

Bendline: Garderobenentwurf von Christine Kelle für die manu factum 2017
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Bendline: Garderobenentwurf von Christine Kelle für die manu factum 2017



manu factum 2017: Pulmo I von Julian Jacobs
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manu factum 2017: Pulmo I von Julian Jacobs



Themenfeld „Wohnen“

Auf dem Rundgang durch die Ausstellung nimmt Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart auf dem „atmenden Stuhl“ von Julian Jacobs Platz. Das ungewöhnliche Sitzobjekt besteht aus einem Stahlgestell, dessen Hülle aus Kautschuk und Textil über eine Pumpe mit Luft gefüllt wird.



Themenfeld „Skulptur“

Das großformatige Wandbild, komponiert aus einer Vielzahl von schimmernden Elementen aus Messing mit orientalisch-arabischen Anklängen entstand als Projekt für einen Kunden. Für den Wettbewerb baute Johannes Sitsen die raffinierte Konstruktion noch einmal komplett nach. Besondere Anforderungen, wie sie solche handgemachten Sonderanfertigungen im Möbelbau stellen, sind die Leidenschaft des Metallbauers, der den Weg der Selbstständigkeit nach seiner Meisterprüfung 2013 konsequent weitergegangen ist.

manu factum 2017: Wandbild aus Messing von Johannes Sitsen (Ausschnitt)
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manu factum 2017: Wandbild aus Messing von Johannes Sitsen (Ausschnitt)



Laurence Leleux: Rainbow Pillbox
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Laurence Leleux: Rainbow Pillbox



Themenfeld "Kleidung"

Die farbenfrohe "Pillbox" für den diesjährigen Wettbewerb kommt von Laurence Leleux. Die Belgierin ist mit ihren Hutkreationen seit Jahren im Düsseldorfer Raum beheimatet und gern gesehener Gast bei diversen Aussstellungen.



Frauke Kerkmann

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