Für Gründer und Betriebe
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Qualifikation des Inhabers für Marktverbleib entscheidend

Pressemitteilung Nr. 23 b vom 9.5.2019

Handwerkskammer Düsseldorf untersuchte Bestandskraft von Start-ups aus dem Jahr 2013 und stellt Bilanz des Gründungsgeschehens im Wirtschaftssektor vor.

"Die Qualifikation des Inhabers macht den entscheidenden Unterschied, ob ein Start-up im Handwerk auf Wachstum und dauerhaften Erfolg setzen kann", kommentierte der Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf Andreas Ehlert das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung der Marktstabilität von Betrieben, die im Jahr 2013 in die Handwerksrolle der größten Handwerkskammer des Landes eingetragen worden waren. Dabei zeigen Firmenzugänge durch Inhaber mit einer abgeschlossenen Meisterprüfung die stärkste Bestandskraft. Von diesen Meisterunternehmen befinden sich nach einem Jahrfünft noch 68,4 Prozent am Markt. "Dieses Ergebnis entspricht wiederholten Untersuchungen aus früheren Jahren zum gleichen Gegenstand", so Ehlert bei der Vorstellung der Daten aus sekundärstatistischer Auswertung vor Journalisten am Donnerstag in der Landeshauptstadt.

Von 3.840 Betrieben in den 53 zulassungsfreien Gewerben (u. a. Fliesenleger, Schuhmacher, Raumausstatter) haben dagegen nur 25,9 Prozent die Startphase überdauert. In diesen ausbildenden Gewerben, die bis Ende 2003 meisterpflichtig waren, ist das Ablegen einer Meisterprüfung für Gründer in den letzten 15 Jahren freiwillig gewesen. Mehr als 90 Prozent der Handwerksrolle neu registrierten Firmen  hat bei der Eintragung keine formale Vorqualifikation angegeben.

Ein näherer Blick auf die Berufsbereiche des Handwerks offenbart, dass Gründungen in den Berufen des Kraftfahrzeuggewerbes das vergleichsweise höchste Behauptungsvermögen aufweisen. 71% der 2013 neu verzeichneten Betriebe dieser durchgängig mit Meistervorbehalt versehenen Branchengruppe finden sich auch heute noch in der Handwerksrolle. Auch Betriebsübernahmen weisen in der Bestandskraft-Analyse der Kammer eine besonders hohe Konstanz auf: Im Durchschnitt 70 Prozent der familienintern oder von Externen weitergeführten Betriebe überdauern die fünfjährige Etablierungsphase in neuer Regie. "Dass gerade auch Übernahmen bestandsfester als Neugründungen sind, überrascht wenig, denn vorwiegend gutqualifizierte Gründer trauen sich die Fortführung eines etablierten Unternehmens mit Beschäftigten und gefestigter Kundenbindung zu; umgekehrt legen auch die Altinhaber Wert auf  eine gründliche (Meister-)Ausbildung des Nachfolgers", erhellte Ehlert den Hintergrund.

6.274 von 7.433 Betrieben wurden 2013 als Einzelunternehmen registriert. Dass diese nur noch zu 33,4 Prozent am Markt sind, prägt ebenfalls das Gesamtergebnis der Auswertung stark. Betriebseröffnungen in haftungsbeschränkten Unternehmens-Rechtsformen, die nur geringes Stammkapital voraussetzen und eher von Soloselbstständigen genutzt werden, wie die "Limited" (Ltd) und die Unternehmergesellschaft bzw. "kleine GmbH", weisen ebenfalls ein erhöhtes Löschungsaufkommen (zwischen 40 und 50 Prozent) gegenüber Gründungen in Form der GmbH, GmbH&Co.KG, AG oder Einzelfirma im Handelsregister auf.

Die Handwerkskammer legte außerdem eine Bilanz zum aktuellen Gründungsgeschehen im Handwerk an Rhein, Ruhr und Wupper vor. 4.517 Handwerkerinnen und Handwerker haben danach im Jahr 2018 an Rhein, Ruhr und Wupper eine unternehmerische Existenz neu gegründet (ohne Mehrfacheintragungen). Das waren 5,5 Prozent weniger als im Durchschnitt der letzten acht Jahre. Die Zahl der Meister-Gründungen verringerte sich um 90 binnen Jahresfrist. Im Berufesegment der vor 15 Jahren zulassungsfrei gestellten Gewerbe des Wirtschaftsbereichs, das immerhin 53 Branchen umfasst, wurden im letzten Jahr lediglich noch 20 Existenzgründungen durch Meisterinnen und Meister notiert. Ehlert führte das generell verringerte Aufkommen an Existenzgründungen zurück auf einen Mix aus demografischen Veränderungen, den zwischenzeitlich verminderten Ausbildungszahlen in allen gewerblich-technischen Berufen der Wirtschaft insgesamt sowie auf konjunkturelle Gründe zurück. Die im Handwerk bereits seit 2010 anhaltende Hochkonjunktur-Phase binde derzeit alle verfügbaren Kräfte an ihrem Platz. "In Boomjahren wie zur Zeit gründen vor allem Vollblutunternehmer, die eine größere Nachfrage nach ihrem Produkt oder ihrer Dienstleistung erwarten. Der Gang in die Selbstständigkeit aus drohender Arbeitslosigkeit heraus entfällt in guten Zeiten als Gründungsursache dagegen weitestgehend", ordnete Ehlert die Entwicklung ein. Auch habe die an einen Beschäftigungsaufbau geknüpfte finanzielle Förderung von Meister-Gründungen, die "Meistergründungsprämie NRW", aufgrund dieser derzeit schwer zu erfüllenden Bedingung etwas an Strahlkraft eingebüßt. "Die Landesregierung arbeitet an einer Novellierung der Prämie; denn der Zugriff auf Fachkräfte ist speziell für Gründer ein besonders mühsames Unterfangen", so Ehlert.

Hoffnung auf eine Trendwende bei den Meistergründungen in Richtung Zuwachs schöpft die Kammer dagegen aus diesen Determinanten: Zum einen habe erstmals seit mehreren Jahren wieder deutlich mehr als jeder zweite aktuelle Jungmeister bei einer Umfrage der Kammer unter den Absolventen eines ganzen Prüfungsjahrgangs die Bereitschaft bekundet, den Schritt in die unternehmerische Selbstständigkeit wagen zu wollen.

Zum anderen hat die Betriebsberatung der Handwerkskammer im letzten Jahr so viele Geschäftsneueröffnungen und Betriebsübernahmen durch Existenzgründer wie noch nie begleitet; sie beriet insgesamt 1.622 Gründungs- und Betriebsnachfolgeprojekte, davon 826 Neugründungen und 796 Betriebsübergänge (Vorjahr: 1.560; vor fünf Jahren 1.378). Der Anteil der Gründungs- an allen Betriebsberatungen kletterte von einem Drittel auf knapp 40 Prozent. "Da diese komplexen Beratungsläufe in der Regel drei bis fünf Jahre in Anspruch nehmen, dürfte sich die Ausweitung der Gründungsberatung in den nächsten Jahren auch zahlenmäßig niederschlagen", prognostizierte Ehlert, der im Übrigen die aktuelle Gesetzesinitiative zur Stärkung der Meisterqualifikation mit Blick auf die anstehende Wahl am 26. Mai in eine europäischen Horizont stellte. "Es ist ein großer Schatz, dass jedes Land sein Bildungswesen nach eigenen Traditionen und eigenen Werten gestalten kann. Die ganze Welt beneidet uns um das duale System der Berufsbildung und die hocheffektive Qualifizierungskette im Handwerk mit der Meisterausbildung im Mittelpunkt  - eine wunderbare Tradition, Wissen weiterzugeben und die Innovationsfähigkeit des Mittelstandes hochzuhalten, auf die wir stolz sind!"

In Teilen des Kammer- und Regierungsbezirk Düsseldorf sind Zuwächse an Neueintragungen in das Handwerksregister übrigens bereits jetzt Realitäts so im Kreis Mettmann und in Duisburg. Der Umlandkreis Mettmann zählte zuletzt 519 und 477 Neueröffnungen und Betriebsnachfolgen (der Durchschnittswert seit 2010 liegt hier bei 418), in Duisburg 406 und 338 (319).

Um die Motivation in der Junghandwerkerschaft zu bestärken, ungeachtet der exzellenten Arbeitsmarktlage für abhängig Beschäftigte auch die derzeit besonders guten Verwirklichungschancen in beruflicher Selbstständigkeit ernst- und wahrzunehmen und sich fachlich und unternehmerisch dafür zu qualifizieren, plädierte Ehlert für die Einführung eines "Meisterbonus" für erfolgreich abschließende Meisterprüflinge.  

Alexander Konrad, Pressesprecher Handwerkskammer Düsseldorf

Alexander Konrad

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