HWK Düsseldorf

Ruhr-Handwerk: Mehr Berufsfelderkundung in Werkstätten!

Pressemitteilung Nr. 24 vom 16.6.2017

Gemeinsamer Appell der Präsidenten der fürs Ruhrgebiet zuständigen Handwerkskammern Düsseldorf, Dortmund und Münster an die Schulen und Betriebe

Die Präsidenten der drei Handwerkskammern an der Ruhrschiene warnen vor einer größer werdenden Lücke beim Fachkräfte-Nachwuchs. "Bei der Berufswahl von Jugendlichen darf das Handwerk gerade in dieser Region nicht aus dem Blick geraten", melden sich Andreas Ehlert (Düsseldorf), Berthold Schröder (Dortmund) und Hans Hund (Münster) in einer gemeinsamen Erklärung zu Wort. Fast jeder zweite Schüler an Rhein-Ruhr, Emscher und Lippe wechsle heute auf ein Gymnasium und sei anschließend für eine gewerblich-technische Berufswahl weitgehend verloren. "Gerade der Ruhr-Raum benötigt aber vor allem qualifizierte Facharbeiter, Gesellen, Techniker und Meister, um bestehende Betriebe zukunftssicher zu machen und Innovationen und Unternehmens-Gründungen anzukurbeln", betont Ehlert.

Die Kammern beklagen ein ausgeprägtes Ungleichgewicht auf dem handwerklichen Ausbildungsmarkt im Revier. Einerseits blieben immer mehr Ausbildungskapazitäten in den heimischen Handwerksunternehmen ungenutzt, gleichzeitig herrsche in Teilen Lehrstellenmangel. "Wir müssen Ausbildungswünsche und das vorhandene Angebot besser zusammenbringen", empfiehlt Berthold Schröder. Das gehe nur, wenn die Unternehmen einerseits ihre Ausbildungskapazitäten "möglichst flächendeckend" für Betriebspraktika öffneten. Gemeinschaftlich appelliert das Präsidenten-Trio an die Mitgliedsunternehmen in den jeweiligen Kammerbezirken, ihre Werkstätten konsequent zu öffnen und den Schulen aktiv für die Berufsfelderkundung anzudienen. "Sie können auf diese Weise bestens für sich und ihren Beruf werben und Kontakte knüpfen", so die drei Kammerchefs unisono.

Andererseits sollten die Schulen ihre Berufsorientierung verstärkt auf Handwerk und Mittelstand ausrichten. "Das Regierungsprogramm Kein Abschluss ohne Anschluss weist grundsätzlich in die richtige Richtung. Ein Tagespraktikum im achten Jahrgang und ein Betriebspraktikum im neunten sind als berufsvorbereitendes Angebot eines Gymnasiums nominell eine Verbesserung. Aber da muss dann auch mal eine Werkstatt, ein Labor oder eine Produktionshalle dabei sein!", betont der Münsteraner Kammerpräsident Hund. Denn: "Praktika in den Schulferien weiten den Blick und sind das beste Rezept gegen überflüssige Warteschleifen, also die Verwahrung in künstlich vorgehaltenen Berufsvorbereitungs- oder Übergangsmaßnahmen".

Die Handwerkspräsidenten mahnen darüber hinaus eine Verstärkung und größere Praxisnahe der vermittelten curricularen Inhalte über Wirtschaft und Beruf, verbindlichen Werkkunde-Unterricht, zusätzliche Fachlehrer in MINT-Fächern und eine auch für Schülerinnen attraktive Vermittlung techniknaher Berufsbilder an. "Auch das Berufsabitur muss kommen - in ganz NRW". Derzeit nehmen in der achten Jahrgangsstufe landesweit nur rund 175.000 Schülerinnen und Schüler an Praktika zur Berufsfelderkundung teil. Nicht viel, wenn man bedenkt, dass es bis Ende 2018/19 schon über 500.000 sein sollen. "Von mehr Werkstattluft in der Schulzeit profitieren alle: die jungen Menschen, die Unternehmen, die viele junge Menschen für ihre Ausbildung kennenlernen und interessieren können, und die Volkswirtschaft in der früheren Industrieregion".

Ganz wichtig: Praktikumsangebote bitte melden bei

  • den Schulen im Umfeld (Berufsorientierungs-Büro)
  • den Kommunalen Koordinierungsstellen für die Maßnahme "Kein Abschluss ohne Anschluss" (in jeder kreisfreien Stadt und jedem Landkreis eingerichtet, unterhalten meist lokale Internetportale, u.a. mit Listungsmöglichkeit für teilnehmende Unternehmen; Kontakt z.B. über die Schulverwaltungsämter)

Alexander Konrad

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