Prof. Mouhanad Khorchide in der Handwerkskammer Düsseldorf
HWK Düsseldorf
Kammerpräsident Andreas Ehlert, Moderator Reiner Burger (F.A.Z.), Prof. Mouhanad Khorchide, Antonius Kerkhoff (ASG) und Kammerhauptgeschäftsführer Axel Fuhrmann (v.l.)

Vortrag von Prof. Mouhanad Khorchide in der Handwerkskammer

Pressemitteilung Nr. 37 vom 17.6.2016

Thema "Islamisches Finanz- und Wirtschaftssystem - welche Rolle spielt die Religion im Handeln der Menschen?" erhielt viel Zuspruch

„Bei uns kommt es nicht darauf an, wo man herkommt. Sondern wo man hinwill!“ – Dieses Plakatmotiv der Imagekampagne des Deutschen Handwerks ist nicht ohne Grund das erfolgreichste: Jeder vierte Auszubildende im beschäftigungsstärksten Wirtschaftssektor hat Zuwanderungs-Hintergrund; zumeist aus islamisch geprägten Herkunftsländern. Über gesellschaftspolitische Fragen, theologische Differenzierungen sowie Macht und Einfluss unterschiedlicher religiöser Gruppen wird im Zusammenhang mit dem Islam derzeit viel diskutiert. Aber wie sieht es mit dem Wirtschaften aus? Gibt es beispielsweise eine islamische Ethik auch in der Ökonomie? Welche Bedeutung hat der Koran für den religiös geprägten Unternehmer?

Um diesen Fragen nachzugehen, hatten Handwerkskammer und ASG-Bildungsforum am Donnerstag zu einem Vortragsabend unter dem Titel „Das islamische Finanz- und Wirtschaftssystem – welche Rolle spielt die Religion im Handeln der Menschen“ eingeladen.

Dass Selbstständige oder Arbeitnehmer, die ihren muslimischen Glauben leben, im Handwerk alltägliche Wirklichkeit sind, zeigte zu Beginn ein kurzer Einspieler mit dem Beispiel eines türkischstämmigen Handwerkers. Hüsseyn Kül, Elektrotechnikermeister aus Monheim, vermittelt darin einen Einblick in seine Unternehmensführung im Einklang mit Verhaltenslehrsätzen aus dem Koran. Darauf Bezug nehmend, leitete Kammerpräsident Andreas Ehlert in seiner Begrüßung den Impuls ab, „sich ein umfassenderes Bild zu machen und voneinander mehr zu erfahren – wie ein Kollege mit muslimischen Hintergrund bei uns lebt und arbeitet und von welchen Werten er sich leiten lässt.“

Dialogisches Verständnis des Islam

Zu einem offenen und wertschätzenden Austausch beizutragen, gehört zu den grundsätzlichen Anliegen der Veranstaltungsreihe zu wirtschaftsethischen Fragen. Dem entsprach Vortragsgast Mouhanad Khorchide, Leiter des Zentrums für Islamische Theologie der Universität Münster und eine der besonnenen Stimmen im Diskurs um eine moderne Ausrichtung des Islam, voll und ganz. Offen für neue Denkanstöße zeigten sich auch die mehr als 150 Gäste, die trotz Fußball-EM in die Kammer gekommen waren und den Ausführungen gespannt folgten – bis zur von Landeskorrespondent Reiner Burger (F.A.Z) moderierten lebhaften Diskussion und dem Schlusswort von Antonius Kerkhoff (ASG).

Dabei wurde, wer konkrete Handlungsanweisungen für das Geschäftsleben erwartete hatte, eines Besseren belehrt: Khorchide erklärte aus seinem – dialogischen, auf Kommunikation beruhenden – Verständnis des Islam die Religion als eine grundlegende Orientierung für die Menschen. Demnach lässt sich aus dem Koran ein „System“ wirtschaftlichen Handelns nicht ableiten, vielmehr geben die darin vermittelten Werte einen ethischen Rahmen vor. Auch bei den praktischen Konsequenzen, die sich aus den „Fünf Säulen“ des Islam ergeben, gilt die dynamische Anpassung einer unter bestimmten historischen Bedingungen (7. Jh.) verfassten Schrift. Wichtig ist Khorchide stets die Interaktion.

Auch der Koran kennt neben einem „individuellen“ einen „gesellschaftlichen“ Auftrag. So finden sich die Begriffe Verantwortung, Gerechtigkeit, Ordnung, Gemeinsinn, Wohlstand und Verwaltung des (Schöpfungs-)Erbes, auf die sich auch die christliche Soziallehre und die Soziale Marktwirtschaft beziehen, sowohl in den Pflichtenheften von Koran und Bibel. Die Übereinstimmung in den ethischen Verhaltensvorgaben des Islam und der christlichen Konfessionen gehörte zu den zentralen Erkenntnissen des Vortragsabends und dürfte nicht wenige der Zuhörer überrascht haben.

Die Verantwortlichkeit gegenüber Mitmenschen ist laut Khorchide bedingungslos und umfassend – so ist die soziale Pflichtabgabe „zakat“ ausdrücklich nicht für Personen bestimmt, für die man ohnehin sorgen muss und gilt übrigens auch für Staaten. Khorchide richtete deshalb am Schluss einen Appell nicht nur an die muslimischen Länder in der Golfregion, sondern auch an die westlichen Staaten, lieber „Demokratie als Waffen zu exportieren.“



Frauke Kerkmann, Pressereferentin HWK Düsseldorf

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