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Rente: Sorgen Sie rechtzeitig vor!

Demografischer Wandel und sinkendes Rentenniveau machen es immer schwerer, den Lebensabend ohne Einbußen zu bestreiten. Denken Sie frühzeitig an später und verteilen Sie Ihre Altersvorsorge auf mehrere Standbeine.

Um das geeignete Produkt oder eine Kombination mehrerer Angebote zu finden, ist eine individuelle und neutrale Beratung wichtig. Neben Banken, Versicherungen, Versorgungswerken bieten sich auch unabhängige Versicherungsmaklern sowie Verbraucherzentralen an. Allerdings: Es gibt leider keine Patentlösung bei der Altersvorsorge. Wir zeigen Ihnen hier einen Überblick über die gängisten Produkte:



1. Die gesetzliche Rente

Mit der gesetzlichen Rente allein, sofern der Selbstständige diese aufgrund von Befreiungsmöglichkeiten überhaupt nutzt, ist ein finanziell sorgenfreier Lebensabend leider nicht mehr garantiert. Im schlimmsten Fall ist man im Alter auf Sozialleistungen angewiesen. Denn von der Bruttorente (ausgewiesen auf Ihrem Rentenbescheid) gehen noch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sowie ggf. Steuern ab. Wie hoch Ihre bisher erworbenen Ansprüche sind, sehen Sie auf der jährlichen Renteninformation.

Zwei Beispiele, wie sich der Betrag auf den Rentenanspruch auswirkt:



Bei einjähriger Zahlung des Regelbeitrags

556,33 Euro  x 12 Monate =  6.675,96 Euro
6.675,96 Euro : 18,7 % = 35.700,32 Euro

Beitragsbemessungsgrundlage  2017 = 35.700,32 Euro
Durchschnittsentgelt des Jahres 2017 = 37.103,00 Euro

= Entgeltpunkte 0,9622

Pro Jahr gezahlt, entspricht dies einer monatlichen Rente von 29,30 Euro




Bei einjähriger Zahlung des Mindestbeitrags

84,15 Euro  x 12 Monate = 1.009,80 Euro
1.009,80 Euro : 18,7 % = 5.400,00 Euro

Beitragsbemessungsgrundlage  2017 = 5.400 Euro
Durchschnittsentgelt des Jahres 2017 = 37.103,00 Euro

= Entgeltpunkte 0,145

Pro Jahr gezahlt, entspricht dies einer monatlichen Rente von 4,43 Euro



2. Staatlich geförderte Altersvorsorge

Riester-Rente

Um die Zulagen zu erhalten, muss das förderfähige Produkt auf eigenen Namen abgeschlossen sein und derjenige muss zum förderfähigen Personenkreis gehören. Dazu zählen:

  • Arbeitnehmer und Selbständige, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind
  • Bezieher von Arbeitslosengeld
  • Mütter und Väter in Elternzeit
  • Beamte
  • Ehepartner von Riester-Sparern

Jeder Riester-Sparer, ob unmittelbar oder mittelbar förderberechtigt, muss mindestens 60 Euro pro Jahr einzahlen.

Geförderte Formen
  • Bank- und Fondssparpläne
  • Klassische Rentenversicherungen
  • Fondsgebundene Rentenversicherungen
  • Bausparverträge
  • Selbst genutzte Immobilie („Wohnriester“)
  • Beiträge des Arbeitnehmers für eine betriebliche Altersvorsorge


Zulagenhöhe

Jährliche Grundzulage pro geförderten Vertrag = 154 Euro

Jährliche Kinderzulage pro Kind:

  • Kind vor 2008 geboren    = 185 Euro
  • Kind nach 2008 geboren = 300 Euro

Für Riester-Sparer unter 25 Jahren wird die erste Zulage um 200 Euro erhöht.



Betriebliche Altersvorsorge

Netto-Entgelt-Umwandlung (Riester-Förderung)

Bei der Riester-Förderung findet die Auszahlung ausschließlich in Form einer lebenslangen Rente statt. Eine Option auf eine einmalige Teilentnahme in Höhe von 30% des Kapitals zu Beginn der Rentenphase kann vereinbart werden.



Brutto-Entgelt-Umwandlung

Bei der Entgeltumwandlung gibt es verschiedene Wege:

  • Pensionskasse
  • Direktversicherung
  • Pensionsfonds

Bei diesen ist im Prinzip eine Rente vorgesehen - aber es ist möglich, folgende Optionen einzubauen:

  1. Einmalige Entnahme in Höhe von 30% des Kapitals zum Rentenbeginn.
  2. Vollständige Kapitalauszahlung zum Eintritt ins Rentenalter.
  • Unterstützungskasse
  • Direktzusagen

Bei diesen Alternativen ist eine Rente oder eine Kapitalabfindung möglich.



Vorteile

Für den Arbeitnehmer

  • Verwaltungs- und Abschlusskosten häufig günstiger als bei privater Vorsorge
  • Arbeitgeber kümmert sich um Durchführung und Formalitäten
  • Bei Brutto-Entgelt-Umwandlung bleiben Beiträge steuer- und abgabefrei

Für den Arbeitgeber

  • Fachkräftesicherung
  • Ersparnis Lohnzusatzkosten
  • Einfache Durchführungswege ("Direktversicherung")

Nachteile:

  • Bei Auszahlung zu versteuern (aber: i.d.R. als Renter günstigerer Steuersatz)
  • Gesetzlich Krankenversicherte müssen bei Auszahlung die vollen Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zahlen ( nicht privat Krankenversicherte)
  • Ggf. geringere Leistungsansprüche in der gesetzliche Rentenversicherung

Rürup-Rente / Basisrente

Private Rentenversicherungen, die folgende Bedingungen erfüllen:

  • zusätzliche Hinterbliebenenversorgung machbar
  • lebenslange Leibrente frühestens ab 62
  • Einschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung möglich

Keine direkte Förderung. Beiträge werden zunehmend bis 2025 steuerfrei gestellt. Die spätere Rente wird „nachgelagert“ besteuert.



Interessant für:

Selbstständige mit einem hohen zu versteuerndem Einkommen




3. Private (ungeförderte) Altersvorsorge

Lebens- und Rentenversicherungen

  • Es besteht auch die Möglichkeit, fondsgebundene Varianten zu nutzen. Diese haben zwar keine garantierte Verzinsung, dafür höhere Renditechancen.
  • Die klassischen Vorsorgeprodukte ohne Förderung haben an Bedeutung verloren, da die derzeitige Niedrigzinsphase sehr stark auf die Erträge drückt. So wurde der Garantiezins für klassische Verträge immer wieder gesenkt und liegt seit 2017 nur noch bei 0,9 Prozent (2016: 1,25 Prozent).
  • Wer die Altersvorsorge mit einer Absicherung für die eigene Familie kombinieren will, sollte sich beraten lassen, welche Form den richtigen Mix aus Sicherheit und Rendite aufweist.


Bank

Banksparpläne
  • Bestehend aus Einzahlungen, Zinsen und einer Sondervergütung, die entweder jährlich oder am Ende der Laufzeit ausgezahlt wird.
  • Bezugsgröße sind entweder die Einzahlungen oder die bisherigen Zinsen. Je länger die Laufzeit, umso höher ist i.d.R. der Bonus.
Tagesgeld
  • Es sind keine Kündigungsfristen zu berücksichtigen und sie sind i.d.R. kostenlos.
  • Aufgrund der Niedrigzinsen gibt es jedoch kaum noch Zinsen. Daher sinnvoll zum Zwischenparken freigewordener Gelder („Notgroschen“).
Festgeld
  • Ähnlich wie Tagesgeld. Etwas höhere Zinsen, aber mit festen Laufzeiten ( 3 bis 24 Monate)
  • Während der Laufzeit kann nicht über das Kapital verfügt werden.


Festverzinsliche Wertpapiere (Anleihen), Aktien/Fonds/ETFs

Höheren Risike verbunden, aber auch wesentlich höhere Renditen. Informieren Sie sich, da sich die Investition sonst schnell als Verlustgeschäft herausstellen könnte.

Aktienfonds
  • Fondsvermögen wird überwiegend in Aktien investiert
  • hohe Schwankungen
  • Renditechance nominal: 6-8%
  • Verlustrisiko reduziert sich bei langen Laufzeiten
  • empfohlener Anlagehorizont: 10 bis 15 Jahre und mehr
  • längste Verlustphase (=Stressfaktor): bis zu 60 Monate
Rentenfonds
  • Fondsvermögen wird in festverzinsliche Wertpapiere investiert
  • geringere Schwankungen als bei Aktienfonds, jedoch nicht risikolos!
  • Renditechance nominal = 3-5%
  • Verlustrisiko innerhalb eines Jahres = 5-30%
  • längste Verlustphase (=Stressfaktor): bis zu 24 Monate


Immobilien

Die Vermietung von Häusern oder Wohnungen bzw. das mietfreie Wohnen im Alter kann einen Teil des Lebensunterhalts abdecken

  • Zurzeit extrem niedrige Zinsen
  • Eigenkapital erforderlich (ca. 30% des Kaufpreises plus Nebenkosten)
  • Sinnvoller, wenn die Immobilie bis zur Rente abbezahlt ist, daher hoheTilgungsrate ratsam (2-3% p.a.)
Achtung:

Zinsen nicht steuerlich absetzbar. Nur bei vermieteten Wohnungen.



Veräußerungserlös des Betriebs

Viele Betriebsinhaber rechnen insgeheim mit den Erlösen aus der Veräußerung ihres Unternehmens zum Ende des Erwerbslebens.

Problem

Unsicher. Die Höhe des Unternehmenswerts sowie ein möglicher Verkauf sind ungewiss.



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