(v. l.): Präsident Andreas Ehlert, Caroline Puppe, Thomas Puppe und Maryam Akbari
3. Juli 2026Bäckerei Puppe mit dem Integrationspreis Handwerk 2026 ausgezeichnet
Mit dem Integrationspreis würdigen die sieben Handwerkskammern in Nordrhein-Westfalen und der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) alle zwei Jahre ein besonderes Engagement von Handwerksunternehmen in der Integration von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte.
Ausbildung kennt keine Herkunft
Im Handwerkskammerbezirk Düsseldorf wird die Auszeichnung in diesem Jahr der Bäckerei Thomas Puppe GmbH & Co. KG zuteil. Das im gesamten Großraum Düsseldorf an 16 Standorten vertretene Familienunternehmen der Lebensmittelbranche mit knapp zweihundert Beschäftigten und Sitz in Neuss bildet seit je her und überdurchschnittlich häufig Berufsanfänger mit Migrationshintergrund aus. Und hat dabei immer wieder nicht zuletzt Auszubildenden mit Fluchthintergrund die Berufsqualifikation, Übernahme in Festanstellung und weitere Aufstiegsfortbildung ermöglicht. Zu den Herkunftsländern der Beschäftigten und Auszubildenden zählen der Iran und Syrien, Armenien und Marokko, Vietnam, Russland und die Ukraine. Der Anteil der Auszubildenden ausländischer Nationalität im Familienunternehmen lag schon zwischen 2016 und 2021 bei 42 % und ist seither auf 47 % geklettert; in der gesamten dual ausbildenden Wirtschaft liegt die Quote bundesweit lediglich bei 15 Prozent. Gleichzeitig haben die Azubis der Neusser Bäckerei ihre Lehre im Handwerksvergleich zwischen 2016 und 2021 zu 68,4 % und damit überdurchschnittlich erfolgreich durchlaufen (die Mittelwerte im Sektor liegen ansonsten zwischen 60 und 65 %) - und auch von den seit 2021 neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen sind ebenfalls 69,4 % entweder mit bestandener Prüfung beendet worden oder laufen zur Zeit noch aktiv auf dieses Ziel zu.
Vom Neuanfang zur Meisterin und Ausbilderin
Beispielhaft wird die integrationsfreundliche und erfolgreiche Praktik des Familienunternehmens in der Persönlichkeit von Konditormeisterin Maryam Akbari nachvollziehbar. Aus ihrer persischen Heimat im Jahr 2016 an den Rhein geflüchtet, hat die heute 39-Jährige bereits kurze Zeit später eine Ausbildung in der Bäckerei Puppe aufnehmen können. Mittlerweile ist sie Leiterin der Konditorei ihres Ausbildungsbetriebs und hat sich überdies mit einem eigenen Catering-Unternehmen ein zweites Standbein aufbauen können, auch dies mit Unterstützung durch ihren Arbeitgeber.
Die am Beispiel des Erfolgswegs von Maryam Akbari anschaulich werdende, engagierte Integrationsleistung des Unternehmens erfuhr am Donnerstag eine angemessene öffentliche Würdigung: der Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, Andreas Ehlert, überreichte Firmenchef Thomas Puppe, Mitgeschäftsführerin Birgit Neisser, Ausbildungsleiterin Caroline Puppe und Maryam Akbari, die längst selbst erfolgreiche Ausbilderin ist, in der Neusser Firmenzentrale den diesjährigen Integrationspreis des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT) und der HWK Düsseldorf. Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld in Höhe von 500 Euro verbunden.
Unterstützung über die Ausbildung hinaus
Wichtige Vermittlungsunterstützung hatte die damals 28 Jahre alte gelernte Reisekauffrau nach ihrer Flucht, bei der sie ihre ganze Familie zurücklassen musste, auch von der Kreishandwerkerschaft (KH) Düsseldorf und deren Integrations-Initiative „Chance Handwerk“ sowie von den Düsseldorfer Handwerksbäckern erfahren. Auch der Integrations-Lotse der HWK war beteiligt. Da an ein berufliches Anknüpfen ans erlernte Berufsfeld in der neuen Heimat für Maryam Akbari auf längere Sicht nicht zu denken war, hatte sich die Neuangekommene für ihre berufliche Zukunft bereits selbst überlegt, dass Spezereien aus ihrer Herkunftsregion auch hier im Rheinland als Produkt gut ankommen würden. Über ein von der Agentur für Arbeit zusammen mit der KH und den Handwerksbäckern vermitteltes Praktikum landete sie zunächst in einer Verkaufsfiliale der Bäckerei Kamps, bevor das Mentorship der damaligen Innungsvorstände Michael und Josef Hinkel sowie Thomas Puppe ihr zu einer regulären Ausbildungsaufnahme zur Konditorin in der Bäckerei Puppe verhalf.
Zum schnellen beruflichen Integrationserfolg dort hat sicherlich die hohe Eigenmotivation von Maryam Akbari zum Spracherwerb ganz maßgeblich beigetragen, sich mit Hilfe von Apps und großer Disziplin binnen Monaten selbst auf das Sprachniveau B2 plus zu bringen – vom Arbeitgeber bestärkt durch aufmerksame Kollegenhilfe im Teamalltag und Anerkennung für erzielte Fortschritte, „und das forciert vor allem in den Phasen vor den sprachlich immer besonders herausfordernden Theorie-Prüfungen“, so Ausbildungsleiterin Caroline Puppe. Der glückhafte private Umstand der belgischen Nationalität ihres Partners, den sie bereits im Iran kannte, und der problemlos ausreisen konnte und mittlerweile seit neun Jahren ihr Ehemann ist, dürfte das Fußfassen in der neuen Heimat ebenfalls nicht unbeträchtlich erleichtert haben.
Die vom Ausbildungsbetrieb gebotene Chance hat Maryam am Ende erfolgreich genutzt - und das auch in langfristiger Perspektive. Für Caroline Puppe „kein Wunder, so offen und freundlich, zuverlässig, ergebnisorientiert und Verantwortung für sich und das Ganze lebend wie sie ist!“ - Ein emotionaler Höhepunkt war das Gesellenstück selbst: eine Torte in Form der Umrisse und in den Landesfarben ihrer Herkunftsnation.
Unterstützung erhielt Maryam Akbari durch ihren Arbeitgeber auch später noch einmal mehr, als sie, nach mehreren erfolgreichen Berufsjahren als Konditorin und inzwischen selbst wirkungsvoll in die Ausbildung bei ihrem Arbeitgeber eingebunden, den Wunsch äußerte, einen nächsten Schritt machen und die formale Qualifikation als Meisterin erwerben zu wollen: „um selbst mit voller Kompetenz auszubilden, aber auch um eigene Geschäftsideen auf selbstständiger Basis verwirklichen zu können,“ wie die (seit 2024) Meisterin und heutige Leiterin der Konditorei ihres Arbeitgebers sowie selbstständige Catering-Unternehmerin beim Auszeichnungstermin ihre damalige Motivation und Ambition schilderte. Für ihre selbst erzeugten Produkte und Lieferservices kann Maryam Akbari die Infrastruktur der Puppe-Produktionsstätte in Neuss mit nutzen.
Integration als Erfolgsrezept für Betrieb und Handwerk
Und so steht Meisterin Maryam dank der ermöglichenden Haltung ihres Arbeitgebers beruflich heute sogar auf zwei Beinen - ohne den Fokus für ihre Aufgabenstellung im Management des Familienunternehmens zu verlieren: Erst vor wenigen Tagen hat ein Auszubildender aus Marokko unter ihren Fittichen die Gesellenreife zum Konditor erlangt.
„Ja, wir geben gerne Chancen“, betonte auch Seniorchef Thomas Puppe. „Das Motto „Bei uns kommt´s nicht drauf an, wo man herkommt, sondern wo man hinwill“ – wir leben es. Selbst wenn es mal schwierig wird. Dann helfen wir uns im Team und auch im Kreis der Handwerksbäcker, mit Nachhilfe, sozialer Aktivität und auch bei der Vermittlung in Ausbildung und Arbeit. Aber es ist immer auch gut für uns, wenn wir uns mit jungen Leuten egal welcher Herkunft Mühe geben, sie an uns binden und immer weiter qualifizieren: Sie danken es uns in aller Regel, und sichern mit ab, dass wir als Unternehmen auf bestem fachlichen Stand bleiben.“