11. Juni 2026Existenzgründungen von Meisterhand sind erfolgreicher
Rund drei Viertel der 2020 von qualifizierten Inhaberinnen und Inhabern neu eingetragenen Firmen überstand kritische Corona-Startjahre und anschließende Existenzfestigung.
Existenzgründungen von Meisterhand sind wesentlich bestandsfester als Unternehmenseröffnungen ohne Meisterbrief. Das ist das zentrale Ergebnis einer sekundärstatistischen Auswertung zur Persistenz von Firmen-Neueintragungen und -Übernahmen des Jahres 2020 in das Gewerbeverzeichnis der HWK Düsseldorf. Danach operieren auch fünf bis sechs Jahre nach der Geschäftsaufnahme 72,6 Prozent der im Corona-Jahr durch Handwerkerinnen und Handwerker mit Meisterqualifikation vorgenommenen Existenzgründungen und Unternehmensnachfolgen auch im Jahr 2026 noch erfolgreich am Markt.
Zum Vergleich: Legt man alle Neueintragungen des Jahres 2020 unabhängig von der Vorqualifikation des Inhabers bzw. der Inhaberin und der Zugehörigkeit des Unternehmens zum (meisterpflichtigen bzw. eine vergleichbare Qualifikation voraussetzenden) Vollhandwerk, zu den zulassungsfreien Handwerken oder zum handwerksähnlichen Gewerbe nebeneinander, dann haben zum 1.5.2026 insgesamt 44,1 Prozent aller Handwerksgründungen des Jahres 2020 die (in der ersten Hälfte des Jahrzehnts pandemiebedingt erschwerten) Startbedingungen und die anschließende Existenzfestigungs-Phase überstanden. Zum Vergleich: Bei den Start-Ups der übrigen Wirtschaft scheitern mehr als 80 Prozent (Quelle: Gründerpilot 2022) bereits binnen drei Jahren. „Die Meisterschule ist die Unternehmerschule der gewerblichen Wirtschaft. Sie macht den Unterschied,“ fasste Kammerpräsident Andreas Ehlert die Erkenntnisse der Analysen von Daten der Handwerksrolle in der Pressekonferenz am 11. Juni 2026 zusammen.
4.526 Firmen neu registriert
Im Durchschnitt des Jahrzehnts von 2015 bis 2025 hat die Kammer 4.737 Existenzgründungen p.a. registriert. Im von Gesundheitsbeschränkungen geprägten Bezugsjahr 2020 lag das Aufkommen mit insgesamt 4.526 Eintragungen moderat unter diesem Niveau. „Gründungen werden im Handwerk – einschließlich des fachlichen und betriebsökonomischen Qualifizierungsaufbaus – in aller Regel über mehrere Jahre hinweg geplant“, ordnete der Handwerkspräsident die Abweichung ein.
Dabei nimmt das qualitative Niveau der Gründungen im Wirtschaftssektor insgesamt seit geraumer Zeit kontinuierlich zu: „Alle Gründungen mit den unterschiedlichen Qualifizierungsniveaus der jeweiligen Neu-Unternehmerinnen und -Unternehmer zum Startzeitpunkt zusammen betrachtet, hat sich die Verbleibsquote neu eröffneter oder von Gründern übernommener Handwerksunternehmen seit 2020 um acht Prozentpunkte gesteigert,“ freute sich Ehlert über die gestiegene Leistungsfähigkeit junger Unternehmen im Handwerkssektor.
„Die guten Zahlen sind umso bemerkenswerter, als die Multi-Krise der letzten Jahre aus Corona-Pandemie, Materialknappheit, Energiekostenexplosion und Fachkräfte-Engpass die Unternehmensführung in praktisch allen Handwerksbranchen beeinträchtigt und das unternehmerische Risiko entsprechend erhöht haben,“ betonte Kammerpräsident Ehlert, der der intensiven Beratungstätigkeit durch die Kammer einen Anteil an der erhöhten Gründungsfestigkeit der Unternehmen zuschreibt: Im vergangenen Jahr entfielen alleine 74 Prozent der 2.006 persönlichen Betriebsberatungen durch Expertinnen und Experten der HWK auf die Begleitung von Existenzgründungen und Unternehmensnachfolgen – mehr als je zuvor. Ehlert: „Jede dritte Neugründung und Betriebsübernahme durch eine Existenzgründerin oder einen Gründer im Bezirk nutzt unsere Expertise!“.
Kammer bekämpft Mangel an Betriebsfortführungen konzentriert mit „Nachfolgeakademie“
Der Handwerkspräsident machte in diesem Zusammenhang auf „besonders gute Chancen“ für Gründende im Modus der Unternehmensnachfolge aufmerksam. „Bei jedem fünften Handwerksbetrieb stellt sich aktuell die Frage, ob eine Übergabe oder die Schließung ansteht, da die Inhaber über 60 Jahre alt sind,“ so Ehlert. Der von der Kammer sukzessive ausgebaute Beratungsschwerpunkt zur Betriebsnachfolge enthält unter anderem spezielle Vertiefungsveranstaltungen mit Praktikern (Aktionstage) und eine Nachfolgeakademie mit Trainingsworkshops zur Stärkung der individuellen Voraussetzungen und Gründungs-Vorbereitung.
Kammerpräsident Ehlert wies im Übrigen auf die seit wenigen Jahren weiter aufgestockte Förderung der Aufstiegsfortbildung (Meister-BAföG) hin. Seither werden Lehrgangs- und Prüfungsgebühren an der Meisterschule mit bis zu 15.000 Euro gefördert, davon 50 Prozent als Zuschuss, dazu gibt es für die Aufwendungen für Prüfungsstücke bis 2.000 Euro. „Zusätzlich steht seit 2024 für Absolvierende der Fortbildung ein weiteres Landesprogramm parat: die Meisterprämie in Höhe von 2.500 Euro,“ informierte Ehlert.