Gruppenfoto der Familie Först (5 Personen) und Kammerpräsident Andreas Ehlert anlässlich der Pressekonferenz zum Frühjahrsgutachten 2026 bei Metallbau Först.
HWK Düsseldorf / Wilfried Meyer
Die Pressekonferenz zur Konjunkturlage fand im Metallbaubetrieb Först in Düsseldorf statt. Das Foto zeigt: (v.l.) Thomas Först, Christian Först, Doris Först, Silke Först, Hermann Josef Först und Kammerpräsident Andreas Ehlert.

23. April 2026Frühjahrsgutachten: Handwerkskonjunktur weiter unter Druck

Geopolitische Unsicherheiten und Reformstau bremsen Aufschwung aus.

Kammerpräsident Ehlert: „Mittelstand braucht Frühjahr der Reformen“

Die Konjunktur im Handwerk im Kammerbezirk Düsseldorf tritt im Frühjahr 2026 unter dem Eindruck der aktuellen geopolitischen Entwicklungen weiter auf der Stelle. Steigende Energie- und Materialkosten infolge geopolitischer Spannungen sowie eine anhaltende schwache Nachfrage belasten die Betriebe spürbar. In der Folge ist die für das Handwerk übliche Frühjahrsbelebung in diesem Jahr ausgeblieben, wie der aktuelle Konjunkturbericht der Handwerkskammer Düsseldorf zeigt.

Der Geschäftsklimaindex liegt mit 105 Punkten auf dem Niveau des Herbstes 2025 und vier Punkte unter dem Vorjahresniveau. Die seit längerem anhaltende Seitwärtsbewegung setzt sich fort. „Der erwartete leichte Aufschwung in diesem Frühjahr ist durch die geopolitischen Entwicklungen ausgebremst worden“, erklärte Andreas Ehlert, Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf. „Auch aus der Politik gab es bislang keine spürbaren Konjunkturimpulse. Die Lage bleibt herausfordernd.“ Dennoch zeigt sich das Handwerk trotz fehlender Dynamik insgesamt weitgehend stabil – gerade im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen. So bewerten weiterhin mehr als ein Drittel der Handwerksbetriebe an Rhein, Ruhr und Wupper ihre aktuelle Geschäftslage als gut (34 Prozent), nur 22 Prozent als schlecht.

Schwache Nachfrage belastet Umsatz-und Auftragslage

Das Umsatz- und das Auftragsklima verharren hingegen auf niedrigem Niveau. Hintergrund ist vor allem die zunehmende Konsumzurückhaltung der Kundinnen und Kunden angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage, der geopolitischen Unsicherheiten und der gestiegenen Energiepreise. „Wirtschaft ist auch Psychologie: Wenn Vertrauen fehlt, bleiben Investitionen und Aufträge aus“, so Ehlert. Besonders angespannt ist die Lage im Kfz-Handwerk, im Lebensmittelhandwerk und bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf, die als Zulieferer unter der anhaltenden Nachfrageschwäche der Industrie leiden.

Der Kostendruck hat sich für viele Handwerksbetriebe zuletzt deutlich verschärft. „Auch als regionaler Wirtschaftsbereich spüren wir die Erschütterungen globaler Krisen durch steigende Energie-, Material- und Rohstoffpreise.“ Vor allem die stark erhöhten Kraftstoffpreise wirken sich unmittelbar aus. „Ein Großteil der Handwerksunternehmen ist auf betriebliche Fahrzeuge angewiesen, sei es für Materialtransporte, Kundentermine oder die Belieferung von Filialen. Die rasanten Preissprünge schlagen da voll durch“, so Ehlert.

Kraftstoffpreise treffen das Handwerk besonders stark

41 Prozent der Betriebe berichten von starken oder sehr starken Auswirkungen der gestiegenen Kraftstoffpreise auf ihre Betriebskosten. Ein Viertel hat diese Belastungen bereits teilweise an die Kundschaft weitergegeben, rund fünf Prozent vollständig. Die große Mehrheit (70 Prozent) wartet jedoch zunächst die weitere Entwicklung ab. Zusätzlich steigen die Kosten durch höhere Material- und Rohstoffpreise. Insbesondere in der Bauwirtschaft machen sich die gestiegenen Öl- und Gaspreise bemerkbar, da viele Baustoffe energieintensiv hergestellt werden oder auf Erdöl basieren. Entsprechend ist das Verkaufspreisklima im Handwerk nach zuvor rückläufiger Entwicklung wieder sprunghaft angestiegen.

Entlastung bei Energiekosten: kurzfristig hilfreich – langfristig unzureichend

Die von der Bundesregierung beschlossenen Entlastungsmaßnahmen bei Energiekosten bewertet die Handwerkskammer Düsseldorf differenziert. „Kurzfristige Entlastungen, wie die temporäre Senkung der Energiesteuer, helfen für den Augenblick, lösen aber keine strukturellen Probleme. Was wir brauchen, sind dauerhaft niedrigere Energiekosten über eine Senkung der Stromsteuer. Das schafft nicht nur eine nachhaltige Entlastung in der Breite, sondern entfaltet auch eine wichtige Lenkungswirkung auf dem Weg zur Elektrifizierung der Wärmeversorgung und der Mobilität. Wenn der Strom günstiger wird, werden Wärmepumpen und E-Autos automatisch attraktiver“, so Ehlert.

Kritisch blickt das Handwerk auf die steuer- und abgabenfreie 1.000-Euro-Prämie. „Sie verlagert die Verantwortung einseitig auf die Unternehmen. Viele Handwerksbetriebe stehen selbst unter erheblichem wirtschaftlichem Druck und haben schlicht nicht die finanziellen Spielräume, solche Prämien flächendeckend zu zahlen“, erklärte Ehlert.

Strukturelle Reformen dringend erforderlich

Die aktuelle Lage unterstreiche noch einmal die Dringlichkeit struktureller Reformen. „Um die Unsicherheit zu überwinden, brauchen wir jetzt echte Reformen, die unsere Wirtschaft nachhaltig stärken.“ Die aktuellen Vorschläge für eine Gesundheitsreform gingen in die richtige Richtung und könnten die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung stabilisieren. Kritisch sieht das Handwerk hingegen die geplante außerordentliche Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze. „Das erhöht die Arbeitskosten für unsere Betriebe und sorgt dafür, dass Leistungsträger wie angestellte Meisterinnen und Meister noch mehr belastet werden. Vorgesehen war, dass sich die Ausgaben an den Einnahmen orientieren sollen. Vorgeschlagen wird jetzt, die Einnahmeseite zu stärken, um sich neue Spielräume zu verschaffen. Das ist der falsche Weg“, kritisierte der Handwerkspräsident. Stattdessen sollten versicherungsfremde Leistungen, wie Krankenversicherungsbeiträge für Grundsicherungsempfänger, vollständig aus Steuermitteln finanziert werden. „Diese Kosten dürfen nicht länger einseitig bei den Beitragszahlern abgeladen werden“, so Ehlert. 

Appell an die Bundesregierung: Reformen jetzt umsetzen

Insgesamt erwartet das Handwerk von der Bundesregierung ein tragfähiges Gesamtkonzept für mehr Wachstum, das alle großen Baustellen angeht – von der Rente über die Krankenversicherung und die Sozialausgaben bis zum Steuersystem. „Der Herbst der Reformen ist ausgeblieben – der Mittelstand braucht jetzt dringend ein Frühjahr der Reformen“, erklärte Ehlert abschließend.

Die Pressekonferenz fand im Metallbaubetrieb Först in Düsseldorf statt.





 

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