HWK Präsident Andreas Ehlert und die Jahresbestmeisterinnen Astrid Fedder und Jessica Schaumburg stehen nebeneinander und lächeln in die Kamera.
HWK Düsseldorf/Wilfried Meyer
HWK-Präsident Andreas Ehlert mit den Jahresbestmeisterinnen Astrid Fedder (Zahntechnikerin) und Jessica Schaumburg (Malerin und Lackiererin) auf der Pressekonferenz zur Meisterfeier 2026.

11. Juni 2026 Große Bühne für große Leistungen: Handwerk feiert am 13. Juni neuen Meisterjahrgang

77. Meisterfeier mit Bundesminister Dr. Karsten Wildberger

Meisterjubel im Düsseldorfer Eishockeytempel: Was von den Fans der Düsseldorfer EG seit langem vergeblich ersehnt ist, wird für die Nachwuchs-Elite des Handwerks am 13. Juni 2026 zur greifbaren Realität: ein Fest in der größten Sporthalle der Landeshauptstadt für frisch errungene Meisterwürden – gegeben allerdings nicht für Tor- und Punkt-Rekorde, sondern für eine besondere Qualifizierungs-Leistung: die bestandene Prüfung zur Erlangung der Spitzenqualifikation im beruflichen Bildungssystem.

Zum 77. Mal ehrt die HWK Düsseldorf an diesem Samstag einen kompletten neuen Meisterjahrgang aus ihrem Zuständigkeitsbereich, dem Kammer- und Regierungsbezirk Düsseldorf, mit einem XXL-Feier-Event: 905 Handwerkerinnen und Handwerker, die 2025 erfolgreich ihre Meisterprüfung vor einem Prüfungsausschuss der HWK abgelegt haben, nehmen auf der Zentralen Düsseldorfer Meisterfeier im PSD Bank Dome in Düsseldorf ihre Urkunden entgegen.

Zur traditionsreichen Veranstaltung werden in diesem Jahr 2.500 geladene Gäste erwartet. Besonders im Rampenlicht stehen 14 Absolventinnen und Absolventen, die dank herausragender Abschlussergebnisse als Jahresbestmeisterinnen und -bestmeister auf offener Bühne ausgezeichnet werden. Als Spitzengast und Festredner wird Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung Dr. Karsten Wildberger erwartet.

Meisternachwuchs bleibt konstant

Damit erreicht auch die jüngste Meisterklasse von Rhein, Ruhr und Wupper einmal mehr das stattliche Ausmaß von 900 bis eintausend (oder mehr) jährlichen Absolventen. „Es bestätigt sich aufs Neue: Das Qualitätssigel Meistertitel trotzt allen gesellschaftlichen Veränderungen, konjunkturellen Schwankungen und Qualifizierungs-Moden,“ freute sich der Präsident der HWK, Andreas Ehlert, am Donnerstag vor Journalisten über die anhaltende Magnetwirkung des Berufsziels Meisterschaft im Handwerk. Die Konstanz bei den Teilnehmerzahlen in der Meistervorbereitung ist umso beachtlicher, als die Alterskohorten im typischen Meisterfortbildungsalter von 25-30 Jahren stetig kleiner werden. Als „wesentlichen Faktor“ für die ungebrochene Attraktivität der Qualifikation bezeichnete Ehlert die vor zwei Jahren um das Landesprogramm „Meisterprämie“ aufgestockte, „inzwischen praktisch kostenneutrale Förderung“ des Qualifizierungsschritts.

Mehr Führungsnachwuchs in großen Klima-Berufen, weniger im Bau- und Ausbausektor

In 26 Meister-Professionen haben Berufstätige aus dem Handwerk eine Meisterfortbildung erfolgreich bewältigt. Mit Ausnahme der für die anstehende thermische Umrüstung von Gebäuden und Anlagen zentralen Berufe SHK-Handwerk (88) und Kälteanlagenbau (47), die jeweils gegenüber dem Vorjahr leicht weiter gestiegene Absolventenzahlen aufweisen, verzeichnen die Ausbaugewerbe insgesamt (mit 253 neuen Meisterinnen und Meistern, Vorjahr: 282), aber auch das Bauhandwerk (50/81) merklich weniger Meisternachwuchs als zuvor.

„Überkomplexe Anforderungen und überlange Verfahren behindern das Baugeschehen in Deutschland bislang über alle Maßen und lassen den Führungskräftenachwuchs im Bausektor an guten Marktchancen in diesem Segment zweifeln“, ordnete der Handwerkspräsident den Rückgang ein. „Umso wichtiger sind entschlossene Schritte zur Beschleunigung, Vereinfachung und Kostenentlastung am Bau, wie sie das Ministerium Wildberger mit dem „Deutschland Stack“ für gemeinsame digitale Behördenstandards und die Bundesregierung mit der Genehmigungsfiktion für Baugenehmigungen und der Digitalisierung von Planungsfeststellungsverfahren vorangetrieben hat.“  

Einen deutlichen Aufwuchs beim Angebot an Leitungspersonal verbucht hingegen das kraftfahrzeugtechnische Handwerk, das die Transformationsaufgabe der Mobilitätswende auf die Straße bringt: Hier legten 190 Kfz-Mechatronikerinnen und -Mechatroniker erfolgreich eine Meisterprüfung ab - ein Plus von 8,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mehr Meisternachwuchs als im Vorjahr registriert außerdem das Augenoptikerhandwerk (93, Vorjahr 90) und – nach Jahren erstmals wieder – der Friseurberuf (107, Vorjahr 91). Gegenläufig verlief die Entwicklung (nach erheblichem Zustrom in den vergangenen Jahren) dagegen im elektro- und informationstechnischen Handwerk (58 Absolventen/ Vorjahr: 72) und bei den Malern und Lackierern (50/ 74).  

Großraum Düsseldorf bei Absolventenzahlen überproportional stark vertreten

Leicht vergrößert hat sich die Gruppe der Handwerkerinnen in der Meisterklasse 2025: 185 der 905 Meisterabsolventen (20,4%) sind weiblichen Geschlechts.

Mehr internationale Meisterinnen und Meister: Eine deutlich erhöhte Anziehungskraft übt der Meistertitel auf die internationale Klientel aus: Jede achte erfolgreiche Meisterprüfung (11,7 %) legte ein Meisterschüler bzw. eine Meisterschülerin mit ausländischer Nationalität ab; der Vorjahresanteil hatte noch bei 8,2% gelegen. Unter den 31 Herkunftsländern der nichtdeutschen Absolventen finden sich gehäuft Länder aus dem Nahen Osten und Asien, so alleine 23 Syrer und Syrerinnen (die mit Abstand am stärksten vertretene ausländische Nationalität), aber auch Staatsangehörige aus Indien und Japan, Afghanistan, Tadschikistan und Kirgisistan.

Hierzulande leben besonders viele Meisterinnen und Meister in Düsseldorf (73), 64 Absolvierende im Rhein-Kreis Neuss, 57 im Kreis Viersen, 56 im Kreis Mettmann und 52 im Kreis Wesel; 51 Absolventinnen und Absolventen kommen aus Essen.

Umfrage: Übermaß an bürokratischen Belastungen zehrt am Gründungsmut

Eine Umfrage der Kammer unter allen Absolvierenden der Meisterschulen an Rhein, Ruhr und Wupper (Panel: 289) untermauert einmal mehr die überragende Rolle der Meister- als Unternehmerschule: Rund jeder zweite Jungmeister (49 %) plant nach eigenen Angaben eine eigene Unternehmensgründung oder -übernahme oder hat diesen Schritt sogar bereits vollzogen – „trotz der aktuell geopolitisch wie konjunkturell schwieriger gewordenen Rahmenbedingungen für das unternehmerische Wagnis“, betonte Ehlert.

Als wichtigsten hemmenden Faktor nennt eine deutliche Mehrheit von 57,6% der befragten Meisterinnen und Meister die bürokratische Grundlast. Bei einer Vorläuferumfrage der HWK beim Meisterjahrgang 2023 hatten diese Kardinalsorge bereits ähnlich Viele – 58,2% – artikuliert. Sogar weiter zugenommen gegenüber vorangegangenen Befragungen hat in der Gruppe der potenziellen Gründer mit Meisterbrief der Respekt vor den Herausforderungen der

  • künftigen Steuerbelastung des Unternehmens bzw. als Unternehmerinnen und Unternehmer (Absolventenjahrgang 2025: 49,7 %; Jahrgang 2023: 41,8 %),
  • hohen Sozialabgaben (25,7%/ 22,2%) und
  • unsicheren Wirtschaftslage (33,3 %; 3,4 Prozentpunkte mehr als bei der Vergleichsumfrage im Vorjahr).

Unverändert enorm hoch ausgebildet ist auch beim jüngsten Prüfungsjahrgang die grundsätzliche Bereitschaft, frisch erworbenes Wissen und Fertigkeit auf Meisterniveau an die nächste Generation an Berufsnachwuchs weiterzugeben: 91 Prozent der neuen Meisterinnen und Meister wollen später selbst ausbilden, der drittbeste je gemessene Wert.

Handwerkspräsident Andreas Ehlert: „Der Meisterjahrgang 2025 ist aus bestem Holz geschnitzt. Er ist hoch bereit, sein Wissen an die nächste Generation weiterzugeben. Und lässt es auch nicht an Bereitschaft missen, trotz strukturell schwieriger gewordener Rahmenbedingungen seine frisch erlangte Top-Könnerschaft auf eigene Rechnung und Risiko am Markt unter Beweis zu stellen“.

Allerdings sind Bund und Land aufgefordert, die aufgeschobenen Strukturreformen jetzt forciert anzupacken und auf die Bedarfe von Handwerk und der mittelständischen Wirtschaft auszurichten, die die Masse der Unternehmen und gewerblichen Beschäftigung darstellen. Wir brauchen eine grundsätzliche Agenda für Wachstum, die den Mittelstand ins Zentrum stellt, in deren Mittelpunkt die konsequente Begrenzung der aufgetriebenen Arbeitskosten und administrativen Anforderungen des Staats an die Betriebe steht, aber auch die Steuerentlastung insbesondere der inhabergeführten Unternehmen.“

 

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