Rückblick auf die Veranstaltung vom 8. Juli 2026Handwerkskammer motiviert mit guten Beispielen und inspirierenden Vorträgen
Zukunft meistern – Betriebserfolg gestalten
Wie sieht eine wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft für Handwerksbetriebe aus und wie der Weg dorthin? Das wollten über 70 Handwerkerinnen und Handwerker erfahren, die am Mittwoch, den 08. Juli ins Technologiezentrum Umwelt nach Oberhausen kamen. Beide Fragen wurden beantwortet durch eine Ausstellung mit guten Beispielen, motivierende Vorträge sowie einem intensiven Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, die bereits Dinge verändert haben.
Andreas Ehlert, Kammerpräsident der HWK Düsseldorf, brachte die Ist-Situation in seiner Begrüßungsrede auf den Punkt: Die Rahmenbedingungen für Handwerksbetriebe verändern sich gerade stark – und das auf unterschiedlichen Ebenen. Doch wir haben es in der Hand, wie wir darauf reagieren. Wichtig dabei: Zukunft passiert nicht, sondern Zukunft ist das, was wir daraus machen. Das ist eine ehrliche Analyse und gleichzeitig eine motivierende Botschaft.
No Limits
Joey Kelly, der als Keynote-Speaker eingeladen war, hob in seinem Vortrag No Limits das Thema Motivation noch einmal auf eine neue Ebene. Dabei spannte er den Bogen von seiner Zeit bei der Kelly Family bis zu seiner jüngsten Challenge, dem Fahrradrennen Race across Amerika. Als Teil der Kelly Family war es seine Aufgabe, bei den Auftritten auf der Straße mit dem Hut rumzugehen. Damals waren es die Vision und das Feuer seines Vaters, die den Grundstein für den Erfolg der Familien-Band legte. Heute macht Kelly im Grunde dasselbe: Er sammelt mit seinen Challenges Spenden für Hilfsprojekte ein. Über die Jahre ist eine zweistellige Millionensumme zusammengekommen. Seine Passion ist dabei der Extremsport, sei es ein Ultra-Triathlon oder eben das Radrennen durch Amerika, eine Wanderung zum Südpol oder quer durch Deutschland ohne Geld. Seine Botschaft: Limitiere dich nicht selbst, sondern suche einen Weg, deine Vision in Kombination mit deiner Passion umzusetzen.
Die richtige Tür, um „Out of the Box“ zu denken und zu handeln
Wie kann das in der Handwerkspraxis aussehen? Felix Moll übersetzte mit seinem Vortrag Kellys Botschaft in die Praxis. Der Dachdeckermeister entwickelte eine digitales Sensorband, mit dem eindringende Feuchtigkeit bemerkt werden kann, bevor das Wasser als Schaden im Innenraum sichtbar wird. Ausgangspunkt für die Idee war die Erkenntnis, dass Kunden nach einem erfolgreichen Auftrag „verloren“ sind. Hinzu kommt die Problematik, Schäden erst dann zu erkennen, wenn es zu spät ist. Daran schloss sich die Frage an: Was wäre, wenn wir die Dächer unserer Kunden überwachen könnten und die Auftraggebenden damit an uns binden, weil wir im Schadensfall schneller und besser reagieren können? Felix Moll nennt diese Frage die Tür, die es braucht, um Out of the Box zu denken. Er forderte die Teilnehmenden auf, ihre Tür zu finden, ihre „Was-wäre-wenn-Frage“ zu formulieren. Das war die perfekte Überleitung zum anschließenden Zukunftscafé.
Intensiver Austausch im Zukunftscafé
Im zweiten Teil der Veranstaltung wurden die Teilnehmenden selbst aktiv. An sieben sogenannten Praxistischen erhielten sie Inspiration zu Themen, die zukünftig einen Unterschied machen werden. Kolleginnen und Kollegen aus dem Handwerk sowie weitere Expertinnen und Experten haben ihre Antworten auf die persönliche Was-wäre-wenn-Frage in kurzen Impulsen und intensiven Gesprächen mit den Teilnehmenden vorgestellt:
- Louisa Stratmann ist verantwortlich für Personal und Ausbildung bei Metallgestaltung Stratmann. Der Betrieb setzt bei der Nachwuchsgewinnung früh an und bietet bereits Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit zum Schnuppern z.B. mit Praktika oder beim Girlsday. Die Förderung von weiblichen Nachwuchskräften ist ein wichtiger Erfolgsfaktor ebenso wie die Sichtbarkeit auf Social Media und eine sehr hohe Qualität in der Ausbildung.
- Vera Bartolovice und Katharina Luig vom Netzwerk Klimaanpassung Unternehmen NRW hatten Checklisten mitgebraucht, mit denen Handwerksbetriebe ihre Klimarisiken sowie mögliche Gegenmaßnahmen identifizieren können. Dabei stehen die Wertschöpfungsketten und hier vor allem die Ausübung des Handwerks im Fokus. Gleichzeitig können die Installation von Klimaanpassungsmaßnahmen auch ein neues Geschäftsfeld für Handwerksbetriebe werden.
- Erich Jelen vom Fraunhofer UMSICHT informierte über Umwelttechniken, also den Einsatz innovativer Technik, um die negativen Auswirklungen auf die Umwelt zu minimieren oder im besten Fall zur Regeneration von Umwelt und Klima beizutragen. Das reicht von energieeffizienten Maschinen bis zu technischen Lösungen, um Materialkreisläufe zu schließen.
- Merle von Nostitz-Wallwitz, Goldschmiede-Meisterin und Mit-Inhaberin von Die Schmuckkiste, erläuterte, was die Entscheidung für recycelte Edelmetalle sowie wiederverwendete oder synthetische Edelsteine für Lieferketten und vor allem Kunden bedeutet. In der Praxis begegnet ihr immer wieder Skepsis, ob das gegebene Versprechen auch eingehalten werden kann. Da hilft vor allem Kommunikation: Mit den Lieferanten sowie den Kundinnen und Kunden.
- Christoph Maciniak, Tischler und Gründer von WOODY– erhalten, was Wert hat, setzt mit seiner Geschäftsidee auf innovative Lasertechnik. Sie befreit Holzbauteile vor Ort und im eingebauten Zustand von Lackschichten, sodass sie aufbereitet und erhalten werden können. Sein digitales mobiles Büro ist die sinnvolle Ergänzung dazu. Für ihn ist ökologisch verantwortungsbewusstes Handeln alternativlos und Innovation der Schlüssel dazu.
- Annika Zerfas von der Schreinerei Becker & Team stellte das kreislauffähige Geschäftsmodell vor: Der Betrieb baut die Wartung, Reparatur und Modernisierung von Möbeln aus der eigenen Produktion zum Service aus. Das Konzept entstand während der Teilnahme an der Workshopreihe CIRO Hub der Effizienz-Agentur NRW efa. Nadine Tiedemann, Leiterin des CIRCO Hubs, beantwortete alle Fragen zu dem kostenlosen Weiterentwicklungsangebot.
- Frank Sonnenberg, gelernter Augenoptiker, Fotograf, Journalist und CMS-Manager sprach über Nachhaltigkeitskommunikation als Geschäftsfeld und gab Tipps, die eigenen Aktivitäten authentisch darzustellen. Sein Ratschlag: ein positives Zielbild und maximale Transparenz, was den Weg dahin angeht.
Nach 90 Minuten intensiven Gesprächen rundete ein kurzes Panel mit allen Gastgebenden der Praxistisch das Zukunftscafé und einen ebenso inspirierenden wie motivierenden Nachmittag ab.