Pressekonferenz in der Bäckerei Terbuyken in Düsseldorf
Pressemitteilung vom 27. Oktober 2026Handwerkskonjunktur unter Druck
Aufschwung lässt auf sich warten.
Schwache Nachfrage und steigender Kostendruck belasten die Betriebe.
Die konjunkturelle Lage im Handwerk im Kammerbezirk Düsseldorf hat sich im Herbst 2026 weiter eingetrübt. Der Geschäftsklimaindex ist gegenüber dem Vorjahr um acht Punkte auf 97 Zähler gesunken und liegt damit erstmals seit dem Höhepunkt der Energiekrise im Herbst 2022 wieder unter der neutralen 100-Punkte-Marke. Eine anhaltende Nachfrageschwäche und der zunehmende Kostendruck belasten die Betriebe, wie der aktuelle Konjunkturbericht der Handwerkskammer Düsseldorf zeigt. Gleichwohl behauptet sich das Handwerk in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld: Weiterhin bewerten mehr als drei Viertel der Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedigend.
„Die Handwerkskonjunktur kommt nicht in Fahrt. Unsere Betriebe stehen von zwei Seiten unter Druck: Die private Nachfrage bleibt schwach, während steigende Kosten die Ertragslage belasten." Hohe Energie-, Material- und Personalkosten verschärfen den wirtschaftlichen Druck. Insbesondere die zuletzt stark gestiegenen Kraftstoffpreise treffen das Handwerk aufgrund seiner hohen Mobilitätsabhängigkeit unmittelbar. „Eine nachhaltige Erholung ist weiterhin nicht in Sicht“, erklärte Andreas Ehlert, Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf. „Was es jetzt braucht, sind verlässliche Perspektiven und ein konsequenter Reformkurs."
Aufträge und Umsätze rückläufig
Das Umsatzklima und das Auftragsklima zeigen gegenüber dem Vorjahr kaum Bewegung und liegen mit 85 und 83 Punkten weiter deutlich im negativen Bereich. Rund 40 Prozent der Betriebe berichten von rückläufigen Umsätzen und Aufträgen im letzten Halbjahr, nur etwa 20 Prozent von Zuwächsen. Besonders stark unter Druck stehen Soloselbstständige und Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten, die häufig über geringere finanzielle Rücklagen verfügen und stärker von einzelnen Kunden oder Absatzmärkten abhängig sind. Gleichzeitig hat die Investitionsbereitschaft weiter nachgelassen: Das Investitionsklima erreicht mit 84 Punkten einen historischen Tiefstwert. „Die Mischung aus gestiegenen Zinsen, verhaltener Nachfrage und Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung führt zu einer ausgeprägten Investitionszurückhaltung“, berichtete Ehlert.
In allen sieben Gewerbegruppen hat sich das Geschäftsklima gegenüber dem Vorjahr verschlechtert. Besonders angespannt ist die Lage im Lebensmittelhandwerk (82 Punkte) und im Bauhauptgewerbe (87 Punkte). Relativ stabil zeigt sich dagegen das Ausbaugewerbe, das mit 103 Punkten als einzige Gewerbegruppe noch einen positiven Geschäftsklimawert erreicht.
Konjunkturelle Belebung muss auch im Handwerk ankommen.
Die jüngst von der Bundesregierung deutlich angehobene Wachstumsprognose für das Jahr 2026 hat bisher keinen Effekt auf das Handwerk. Die konjunkturelle Belebung wird vor allem von Exporten und höheren staatlichen Ausgaben getragen. Der private Konsum, von dem große Teile des Handwerks abhängen, entwickelt sich dagegen weiterhin verhalten.
„Die verbesserten Wachstumsaussichten sind erfreulich, aber noch keine nachhaltige Trendwende. Ein langfristiger Aufschwung muss auch vom privaten Konsum und den Investitionen der Unternehmen getragen werden. Nur dann wird die wirtschaftliche Erholung auch im Handwerk ankommen“, so Ehlert. Vor diesem Hintergrund sieht der Kammerpräsident weiterhin dringenden Reformbedarf. „Die Bundesregierung hat mit der Reform der gesetzlichen Krankversicherung den richtigen Weg eingeschlagen und gezeigt, dass sie handlungsfähig ist. Dieser Reformkurs muss nun konsequent fortgesetzt werden. Wir brauchen Maßnahmen, die den Mittelstand nachhaltig entlasten. Dazu gehören insbesondere Reformen zur Begrenzung der Lohnzusatzkosten, eine Senkung der Stromsteuer für alle und eine substanzielle Einkommensteuerentlastung für Personenunternehmen – analog zur Reduzierung der Körperschaftsteuer. Auch beim Thema Bürokratieabbau forderte Ehlert konkrete Ergebnisse. „Die Modernisierungsagenda geht in die richtige Richtung, bei den Betrieben kommt aber noch zu wenig spürbare Entlastung an.“ Als jüngstes Beispiel nannte Ehlert die Bonpflicht. „Aus der Abschaffung der Bonpflicht ist nun die Pflicht zur digitalen Belegbereitstellung geworden. Das ist dieselbe Pflicht in neuem Gewand. Auch digitale Bürokratie bleibt Bürokratie“, so der Kammerpräsident. Entscheidend ist aus Sicht des Handwerks, dass aus den diskutierten Reformankündigungen nun konkrete Gesetze werden. „Am Ende zählt, dass unsere Betriebe im Alltag tatsächlich entlastet werden.“
Trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage ist die Zahl der neuen Ausbildungsabschlüsse im Bezirk der Handwerkskammer Düsseldorf gegenüber dem Vorjahr stabil geblieben. „Das ist ein starkes Signal und zeigt: Auch in herausfordernden Zeiten bildet das Handwerk weiter aus und investiert in die Fachkräfte von morgen.“