Jahresbestmeisterin 2025Jessica Schaumburg, Malerin und Lackiererin
Bei Jessica Schaumburg lief alles ein bisschen anders – nach dem Abitur studierte sie Business Psychology und International Business und arbeitete in einem Großkonzern. Obwohl ihr Vater einen Malerbetrieb hatte, gab es bei ihr weder das Interesse noch jemals die Intention, ins Handwerk zu gehen. Und bis vor fünf Jahren hatte sie noch nie einen Pinsel in der Hand.
„Es gibt keinen Zeitpunkt, an dem man sich zu hundert Prozent bereit fühlt. Entwicklung passiert, wenn man den Mut hat, den nächsten Schritt trotzdem zu gehen.“
Mit 27 Jahren traf die Essenerin jedoch eine Entscheidung, die ihr Leben verändert hat. Als ihr Vater 2020 plötzlich starb und der Verkauf der Firma anstand, entschied Jessica Schaumburg „2 Tage vor Notartermin“, das Ganze selbst zu versuchen. Und zieht aus dieser mutigen Entscheidung ihre wichtigste berufliche Lektion: „Es gibt keinen Zeitpunkt, an dem man sich zu hundert Prozent bereit fühlt. Entwicklung passiert, wenn man den Mut hat, den nächsten Schritt trotzdem zu gehen.“ Die erste Konsequenz – und logische Schlussfolgerung nach der Firmenübernahme – war dann die Ausbildung zur Malerin und Lackiererin, die sie im eigenen Betrieb absolvierte und 2022 abschloss.
Weit mehr als handwerkliches Geschick
Auch der nächste Entschluss, die Meisterfortbildung direkt im Anschluss an die Gesellenprüfung zu beginnen, zeugt von bemerkenswerter Energie und klaren Zielen. Hatte sie schon die handwerkliche Ausbildung für unerlässlich gehalten, lautete nun die Motivation „Unabhängigkeit in der Führung meines Betriebs“. Ihre Stärke verortet sie ganz klar in der Kommunikation. Was man für den Beruf mitbringen muss? „Weit mehr als handwerkliches Geschick – auf jeden Fall Leidenschaft für den Beruf.“ Und am besten dazu noch Verantwortungsbewusstsein und Lernbereitschaft: „Ohne ein gesundes Maß an Teamfähigkeit und sozialen Kompetenzen funktioniert in keinerlei handwerklichem Gewerk etwas.“
Nicht jeder hat wie sie den Mut, ins kalte Wasser zu springen und einen radikalen Kurswechsel zu wagen. Ihr Beispiel zeigt, dass man sich verändern und etwas probieren kann, auch wenn man noch nicht ganz genau weiß, wo der Weg hingeht. Und, dass unkonventionelle Entscheidungen manchmal zu überraschendem Erfolg führen. Zeitweise war Jessica Schaumburg Unternehmerin und Auszubildende in einer Person. Und leitet heute als Geschäftsführerin das 1948 gegründete Familienunternehmen in der 3. Generation. Dass ihr Meisterbrief unter denen ihres Großvaters und Vaters hängt und der Name des Betriebs weiterlebt, erfüllt sie mit Stolz.