11. Juni 2026Umfrage der HWK Düsseldorf unter Vorjahres-Absolventen der Meisterfortbildung
Junge Meisterinnen und Meister wollen unverändert gründen, aber: Sorge vor bürokratischer, steuerlicher und Abgabenlast bei Firmengründung wächst.
Nur gut jeder fünfte Absolvent (27,4 %) einer Meisterschule im Handwerkskammerbezirk Düsseldorf des Jahres 2025 beurteilt die aktuellen Rahmenbedingungen für eine Unternehmensgründung als „gut“ oder „sehr gut“. Der Großteil der Nachwuchs-Führungskräfte mit Meisterbrief hält das derzei-tige Umfeld für eine Geschäftseröffnung oder -übernahme hingegen für verbesserungswürdig:
42,6 % der 289 an einer Umfrage der HWK teilnehmenden Meisterinnen und Meister (Grundge-samtheit: 905) bewerten es als „mittelmäßig“, 20,7 Prozent gar als „schlecht“ oder „sehr schlecht“.
Als größte Herausforderungen identifizieren die künftigen Manager der Handwerkswirtschaft den gegebenen bürokratischen Aufwand fürs Unternehmen (57,6 %), die Höhe der Besteuerung (49,7%) und der Sozialabgaben (25,7%), die Schwierigkeit, Fachkräfte zu finden (38,9%) und eine insgesamt als unsicher eingestufte wirtschaftliche Situation (33,3%). Während der Aspekt der vom Staat auferlegten administrativen Handlungspflichten in den letzten drei Kammer-Befragungen eines Jungmeisterjahrgangs mit je um die 60 Prozent Nennungen die Liste der Herausforderungen einer Existenzgründung mit stets ähnlich hohen Werten klar anführt, sind die Sorgen vor drückender Steuerlast und Sozialbeiträgen sowie vor flauer Nachfrage über die letzten Jahre kontinuierlich gewachsen. Vor zwei Jahren hatte immerhin noch rund jeder dritte Meisterabsolvent die Bedingungen für ein handwerkliches Start-up als förderlich angesehen.
Gründungswille trotzt dank guter Vorbereitung vorerst äußeren Erschwernissen
Ungeachtet der genannten äußeren Hemmnisse strebt jeder zweite Absolvent einer Meisterfort-bildung (49 %) seine berufliche Zukunft in unternehmerischer Selbstständigkeit an oder hat diesen Schritt bereits vollzogen. „Das aufgrund der erreichten Spitzenqualifikation erlangte fachliche Können und betriebswirtschaftliche Wissen stärkt das Selbstbewusstsein dieser Leistungsträger und nährt ihr Zutrauen in eine erfolgreiche eigene Marktteilnahme. Darüber hinaus wird der Schritt in die berufliche Selbstständigkeit in der Regel längerfristig – über mehrere Jahre hinweg – verfolgt, was einen stabilen Gründermut voraussetzt,“ ordnete der Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf Andreas Ehlert das Umfragebild am Donnerstag vor Journalisten ein. 83,7 % der erfolgreichen Meisterprüflinge erachten ihre beruflichen Chancen auf Basis der frisch aufgestockten Fachkunde entsprechend als „gut“ oder „sehr gut“.
Und das völlig zu Recht: Die mittelständischen Wirtschaftsbranchen dürfen sich beim neuen Meister-jahrgang an Rhein, Ruhr und Wupper auf ein mit modernen Technologien bestens vertrautes Leitungspersonal freuen. Sowohl Social Media und Online-Marketing als auch Digitale Verwaltungs-prozesse und Cybersicherheit sind für eine Mehrheit von je über 50 Prozent der antwortenden Absolventen bereits vertraute Praxisfelder.
Meisterklasse mit digitalem Werkzeug hochvertraut
Wie schnell das Handwerk speziell auch KI als Werkzeug entdeckt hat und weithin nutzt, legt die Umfrage ebenfalls nahe: Nur für vier von zehn Befragten (40,8%) ist der Einsatz Künstlicher Intelligenz momentan kein Thema. Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft, Praktiken, die quasi in der Natur des wartenden und reparierenden Wirtschaftssektors liegen, werden dagegen von 29,2 % der Meisterinnen und Meister bereits im Arbeitsalltag gelebt und von weiteren 17,6 % konkret als neue Tätigkeitsfacette vorbereitet.
Meister-BaföG – von 77,5 % der Befragten zur Finanzierung der Meisterfortbildung genutzt – , und das vor drei Jahren neu eingeführte Förderinstrument der Meisterprämie (Inanspruchnahme-Quote: 52 %) haben die wirtschaftliche Leistbarkeit der ein- bis zweijährigen Lehrgangs- und Prüfungs-phase signifikant verbessert; vor allem in den technischen Meisterberufen sind für die Meisterfortbildung vor allem aufgrund des teureren Materialeinsatzes dennoch verbreitet zusätzlich auch Eigenmittel aufzuwenden. Immerhin nur 7,3 Prozent der Meisterschüler waren auf eine Kredit(mit)finanzierung angewiesen.
„Noch gehört Gründen im Handwerk zur DNA. Damit Meisterinnen und Meister auch in Zukunft grundsätzlich eher optimistisch auf die Chancen in beruflicher Eigenständigkeit blicken und entsprechend handeln, anschließend gut am Markt bestehen und die enormen Transformations-aufgaben am Bau und an den öffentlichen Infrastrukturen bewältigen können, muss diese sehr gründungsgeneigte Nachwuchs-Leistungselite dringend wieder mehr Freiraum und verlässlichere Bedingungen vorfinden,“ mahnte der Handwerkspräsident.
Auf der von der Kammer ausgerichteten 77. Zentralen Meisterfeier der HWK wird der für Staatsmodernisierung zuständige Bundesminister Karsten Wildberger die Festrede halten. Die „von ihm vorangetriebene Agenda einer konsequenten Digitalisierung der öffentlichen Hand bei gleichzei-tigem Rückbau der bürokratischen Anforderungen und Auflagen“ gehöre neben der Begrenzung der Steuerlast und der Rückführung der Lohnzusatzkosten auf 40 Prozent „zu den überragend wichtigen drei Reformaufgaben des Staates auf dem Weg zu diesem Ziel“, so Kammerchef Andreas Ehlert.