(v. l.): Kammer-Präsident Andreas Ehlert, Wirtschaftsministerin Mona Neubaur, Bestattermeisterin Stefanie Kamp-Knorren und Steinbildhauermeisterin Anna Staudt
15.1.2026Wandel in der Beisetzungs-Kultur
Wirtschaftsministerin Mona Neubaur informierte sich in Steinbildhauer-Werkstatt von Anna Staudt im Steinmetzhandwerk und im Bestattungsgewerbe
Wie sollten Friedhöfe der Zukunft aussehen angesichts des einschneidenden Wandels der Bestattungskultur in der Gesellschaft? - Über die Herausforderung, die dieser Umbruch für die hauptbeteiligten Berufe des Bestattungsgewerbes und das Steinmetzhandwerk bedeutet, informierte sich Landesministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie Mona Neubaur am Donnerstag in Düsseldorf in der Steinmetzwerkstatt von Steinbildhauermeisterin Anna Staudt am Friedhof Itter. „Das Steinmetzhandwerk und das Bestattungsgewerbe leisten einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Gesellschaft. Sie begleiten Menschen in Zeiten des Abschieds mit Würde, Respekt und großer Verantwortung. Entscheidend ist, Tradition und Innovation so miteinander zu verbinden, dass Erinnerungskultur lebendig bleibt und Raum für neue Formen des Gedenkens entsteht“, verdeutlichte die Ministerin die Haltung der Landesregierung.
Hintergrund: In der Trauerkultur vollzieht sich zurzeit ein tiefgreifender, sich weiter beschleunigender gesellschaftlicher Wandel. Während im christlich geprägten Kulturkreis vor allem Einäscherungen die früher übliche Erdbestattung immer stärker ablösen, vollzieht sich gleichzeitig generell bei allen rituellen Formen des Totengedenkens eine Öffnung im Gefolge gewachsener gesellschaftlicher Vielfalt in ethnischer und ethischer Hinsicht; nicht zuletzt die Nachfrage nach Grabmalen und Familiengräbern geht sukzessive zurück. Auch gestiegene Bestattungskosten stärken den Trend. Zugleich wird die Bedeutung des Friedhofs im Spannungsfeld zwischen individueller Selbstbestimmung, neuen Bestattungsarten und dem Friedhof als identifizierbarem Trauer-, Kultur- und Erinnerungsort neu diskutiert.
„Unser Ansinnen ist, den Friedhof als Gedenkort zu stärken", definierte der Vorsitzender des Bestatterverbands NRW Andreas Niehaus die Aufgabenstellung. Stefanie Kamp-Knorren, selbstständige Bestattermeisterin in Düsseldorf und Vorstandsmitglied der HWK Düsseldorf: „Wir wollen auf diversifizierte Bedürfnisse reagieren, indem wir mit den Kommunen über neue Gestaltungskonzepte sprechen und - so Kamp-Knorren - den Friedhof „moderner, nahbarer und auch grüner machen". Dabei gehe es auch um eine Liberalisierung der bislang oft starren Vorgaben für die Grablege - „wohlgemerkt: auf dem Friedhof und nicht jenseits davon", akzentuierte Gastgeberin Anna Staudt die Zielrichtung des Steinmetzhandwerks im Beisein von Landesinnungsmeister Stefan Lutterbeck. So sollten auf den Begräbnisstätten künftig beispielsweise Grabfelder mit pflegefreien Sarg- und großzügig angelegten Urnengräbern erlaubt sein, die dennoch eine individuelle Kennzeichnung durch einen Grabstein ermöglichten, machten die Vertreter beider Berufe einen konkreten Ausgestaltungsvorschlag, der auch auf die Landeshauptstadt und den ebenfalls anwesenden, fürs Friedhofwesen der Landeshauptstadt zuständigen Beigeordneten Joachim Kràl abzielte.
Das Treffen mit der Wirtschaftsministerin war auf Anregung von Handwerkskammer-Präsident Andreas Ehlert zustande gekommen. „Wir fordern die Kommunen und Städte auf, zeitgemäße Lösungen für die Bürger zu schaffen. Wenn wir keine attraktiven, pflegefreien und bezahlbaren Grabformen anbieten, wandern Menschen ab und suchen alternative Bestattungsmöglichkeiten außerhalb der Friedhöfe. Das gefährdet die Friedhofskultur und die Würde des Abschieds", bezog Ehlert Position.
Im Bestattungsgewerbe sorgen landesweit derzeit 1285 Unternehmen mit 6.415 Tätigen Personen für eine qualitätsvolle Nachsorge für die Verstorbenen. 104 Betriebe bilden Nachwuchs in dem 3jährigen (wachsenden) Lehrberuf zur Bestattungsfachkraft aus. Im Zuständigkeitsbereich der Handwerkskammer Düsseldorf sind 375 Betriebe mit (einschließlich der Inhaberinnen und Inhaber) 1961 Beschäftigten und 51 Auszubildenden registriert. In Düsseldorf gehören 27 Bestattungsunternehmen mit 156 Mitarbeitenden und elf Auszubildenden dem Berufsstand an. Mit Natursteinarbeiten, kunsthandwerklicher Steinbildhauerei und Denkmalpflege, aber in der Grabsteinfertigung und -setzung weit überwiegend ebenfalls mit Funeralkultur befasst ist das Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk. Landesweit gehören 780 Unternehmen mit rd. 4.000 Beschäftigten dem Gestaltenden Handwerksberuf an; kammerweit 209 (921 tätige Personen, 40 Auszubildende) Unternehmen und in Düsseldorf 27 Betriebe mit rd. 80 Beschäftigten).