Kammerpräsident Andreas Ehlert, KKL-Geschäftsführer Ingo Hoffmann, Patrick Peters und HWK-Hauptgeschäftsführer Dr. Axel Fuhrmann bei der Vorstellung des Herbst-Konjunkturgutachtens der Handwerkskammer in Düsseldorf
HWK Düsseldorf
Die Handwerkskammer stellte ihren Bericht zur Herbstkonjunktur bei der Firma KKL Klimatechnik in Düsseldorf vor, die ihren Fachkräftebedarf mit umfangreichen Maßnahmen sichert - u.a. stellt das Unternehmen jährlich rund 10 neue Azubis ein. V.l.: Kammerpräsident Andreas Ehlert, KKL-Geschäftsführer Ingo Hoffmann, Patrick Peters, HWK-Hauptgeschäftsführer Dr. Axel Fuhrmann

Fachkräftemangel im Handwerk

Pressemitteilung Nr. 51 vom 31.10.2018

HWK analysierte betriebliche Handlungsmöglichkeiten
Fuhrmann: "Personal langfristig zu binden, ist kein Hexenwerk" - Firmen sollen verstärkten Fokus auf Mitarbeiterorientierung, Kommunikations- und Weiterbildungskultur legen 

Jedes dritte Unternehmen im Handwerkskammerbezirk Düsseldorf (59.000 Betriebe, 320.000 Beschäftigte) meldet ausweislich einer repräsentativen Umfrage der HWK aktuell unbesetzte Arbeitsplätze, während gleichzeitig die Auftragsreichweite der Firmen - und damit die Wartezeit für das Gros der Kunden und Auftraggeber auf acht bis neun Wochen kletterte. Zwar gelang es der Handwerksorganisation vorerst, den Aderlass beim Berufsnachwuchs aus der ersten Hälfte des Jahrzehnts um rd. ein Viertel zu stoppen; bereits im dritten Jahr in Folge steigt die Anzahl der Auszubildenden im 1. Lehrjahr wieder an. "Der Bedarf an Fachkräften wächst jedoch seit Jahren wesentlich schneller, als es uns mithilfe unserer flächendeckenden Imagekampagne und vermehrter berufsorientierender Beratung gelingt, den Mega-Trend der Schulabgänger an die Universitäten und Hochschulen umzukehren", markierte Kammer-Hauptgeschäftsführer Dr. Axel Fuhrmann vor versammelter Presse am Mittwoch in der Landeshauptstadt den Gap. "Für das Handwerk als dem arbeitsintensivsten aller Wirtschaftsbereiche ist das die Existenzfrage schlechthin". Den aktuellsten Beleg zu dieser Aussage liefert eine bundesweite Umfrage des ZDH unter Beteiligung der HWK Düsseldorf (Titel "Fachkräfte gewinnen und halten"): Weniger als ein Zehntel der Betriebe bezeichnet gemäß einer vorläufigen Auswertung der Erhebung die Fachkräftegewinnung derzeit als "unproblematisch". Für 30 Prozent war die Suche "aufwendig", für weitere 30 % befragten Unternehmen sogar glatt "erfolglos". Bei der Frage, welche Fachkräftepotenziale man künftig vermehrt ansprechen wolle, wurden am häufigsten Quereinsteiger, Schulabgänger mit höherem Abschluss und Berufsrückkehrer genannt.

Die Handwerkskammer Düsseldorf hat vor diesem Hintergrund die unternehmenseigenen Möglichkeiten und Praktiken der Fachkräftesicherung beim handwerkseigenen "Institut für Technik in der Betriebsführung" (Karlsruhe), durch Recherchen bei erfolgreich Mitarbeiterbindung betreibenden Mitgliedsunternehmen und durch kooperative Teilnahme an der genannten bundesweiten Umfrage (ergänzt um eine vereinfachte Internet-Trendumfrage) zur Problematik näher unter die Lupe genommen. Als Resultat der forcierten Analysearbeit ruft die Kammer die Firmen des bis dato beschäftigungsstärksten Wirtschaftssektors jetzt dazu auf, alle betriebsorganisatorischen Mittel auszuschöpfen, um Mitarbeiter möglichst bis ans Berufsende ans Unternehmen zu binden. "Das Durchschnittsalter der Handwerker liegt bei 42 Jahren; die Betriebe müssen ihre Leistungen im Wesentlichen mit dem gegebenem Personalstamm erbringen - d.h. mit im Durchschnitt immer älteren Mitarbeitern". Daraus folgere, so Fuhrmann, "zwingend, dass sich die Unternehmen des Handwerks im Vergleich zu anderen Branchengruppen für die nächste Bewerber-Generation 'besonders attraktiv' aufstellen und methodisch und fantasievoll auf eine möglichst lange Verweildauer ihrer Fachkräfte hinzuwirken".

Dies sei "kein Hexenwerk", betonte Fuhrmann: "Der Schlüssel für die Mitarbeiterbindung sind gute Arbeitsbedingungen", habe das ITB festgestellt. Vor allem durch einen guten Umgang mit den Mitarbeitern und eine aktive, zeitgemäße Kommunikation dieser Qualität nach außen sei der Betrieb anziehend für motivierte Bewerber, die sich mit dem Betrieb weiter entwickeln können, heißt es in der Expertise  des Fachinstituts. Und die Bindung der Kollegenschaft an den Betrieb lasse sich am besten durch Schaffung von Möglichkeiten zur beruflichen Umorientierung, ein aktives betriebliches Gesundheitsmanagement und durch Fokussierung auf ein "ständiges Schärfen des Werkzeugs 'Know-how'  - also durch eine proaktive Weiterbildungskultur im Sinne eines 'Lebenslangen Lernens' "gewährleisten.

Handwerksunternehmen müssten für eine strategische Mitarbeiterorientierung auch "nicht bei Null anfangen", betonte Fuhrmann; "sie bieten aufgrund ihrer überschaubaren Betriebsgröße auch heute schon kurze Wege zur Firmenleitung, aufgrund der gemeinschaftlich projektorientierten Arbeitsweise ein besonderes Auge für die individuelle und familiären Bedürfnisse des einzelnen Teammitglieds und eine im Verhältnis zu anderen Berufsbereichen hohe Arbeitserfüllung und Berufszufriedenheit", zeigte sich der Kammerverwaltungschef optimistisch gegenüber der Herausforderung.

Bereits jetzt setzt ein Großteil der Handwerksunternehmen, um ihre Arbeitsplätze attraktiv und das Betriebsklima gedeihlich zu gestalten, gezielt Instrumente wie eine abgestimmte Urlaubsplanung und eine flexible Arbeitszeitgestaltung (individuelle Arbeitszeiten, Arbeitszeitkonten, Teilzeitarbeit) ein und zeigen ihren Mitarbeitern systematisch berufliche Perspektiven auf, wie die genannte Fachkräfte-Umfrage des ZDH ermittelt hat. Die begleitende, nicht repräsentative Trendumfrage der HWK auf ihrer Website bestätigt diese Aussage: Danach stehen für jeden dritten der knapp 200 Umfrageteilnehmer "familienfreundliche Angebote und Regelungen" an erster Stelle, um Beschäftigte langfristig zu erhalten, knapp gefolgt von "individuellen Entwicklungsmöglichkeiten", etwa der Übertragung von anderen Aufgaben z.B. in der Nachwuchsausbildung.

Erfolgreich diese Wege beschreitende Mitgliedsunternehmen - so stellvertretend der Gastgeberbetrieb der Pressekonferenz, die Firma KKL Kälteanlagen, aber auch andere von der Kammer näher untersuchte Firmen wie Karosseriebau Thedens, Elektro Eickholt, SHK Niepmann (alle Düsseldorf) und SHK Schalm (Mönchengladbach) - handelten ebenfalls bereits den Erkenntnisse des Innovations- und Qualifizierungsforschungs-Instituts ITB entsprechend, so Fuhrmann: "Ein eigenes Trainingscenter für die Lehrlinge wie bei KKL oder eine konsequente Ausrichtung der Mitarbeiterführung auf die Maxime "Wir sind füreinander da" bis ins Detail bei gemeinsamen Weiterbildungs-Events aller Gliederungen und Ebenen des Unternehmens wie bei Schalm sind auch deshalb vorbildliche Angebote, weil sie - typisch Handwerk - bodenständig und machbar sind." Die Effekte: Bei Schalm etwa gibt es "Null Fluktuation"; und KKL hat "wenig Probleme, geeignete Bewerber an uns zu binden", so KKL-Geschäftsführer Patrick Peters.

Mit einer - wo immer möglich - zusätzlichen Firmen-Ausrichtung des Leistungsportfolios auf seniorengerechte Produkte und Dienstleistungen lasse sich "der Bock sogar umstoßen und aus einem 'Silver team' erfolgreiche Goldgräber machen, die auf die speziellen Bedürfnisse einer ebenfalls demografisch mitgereiften Kundschaft besonders kompetent eingestellt sind", ergänzte Fuhrmann das Handlungsspektrum. Die Kammer halte dafür seit Jahren einen stark frequentierten Zertifizierungslehrgang zum Experten für Wohnen im Alter bereit, der bereits rund fünfhundert Handwerker für das Marktfeld "50plus" qualifiziert habe.

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Alexander Konrad

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